Abtswind läuft zu spät heiß


Ein 0:3-Rückstand nach zwanzig Minuten erweist sich als große Bürde für die Aufholjagd

TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind 3:2 (3:0)

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Wenn die Kleinrinderfelder zu Hause spielen, sind sie zu Großem fähig: Nach dem Sieg gegen Forchheim brachte die Mannschaft am Rande Bayerns dem nächsten hochgehandelten Konkurrenten eine Niederlage bei. Ehe Abtswind sich versah, waren drei Treffer gefallen. Die Aufholjagd in der Hitze scheiterte am Ende knapp.

Mit dem Schlusspfiff ging die Musik an. „Wer friert uns diesen Moment ein? Besser kann es nicht sein“, dröhnte es aus den Lautsprechern. Mit dem Einfrieren dürften sie in Kleinrinderfeld ihre Probleme gehabt haben angesichts der über dreißig Grad an diesem hitzigen Nachmittag. Besser ging es für den Augenblick freilich nicht. Schon wieder hatten sie einem Großen der Liga ein Bein gestellt. Neulich war es Bayernliga-Absteiger Jahn Forchheim (4:3), nun beim 3:2 der TSV Abtswind. „Das ist das Nonplusultra“, fand Kleinrinderfelds Trainer Hans-Jürgen Meyer, während im Hintergrund passenderweise der Refrain des Liedgutes lief: „Ein Hoch auf uns!“

Auf der anderen Seite galt es über einen Tiefpunkt zu grübeln. Abtswind hatte sich zwanzig Minuten lang völlig neben der Spur präsentiert, wie vom Hitzschlag getroffen. Dass der Gegner ausgerechnet in der Phase zur Hochform auflief und gleich dreimal traf, machte den Gästen schwer zu schaffen. „So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen“, stellte Trainer Petr Skarabela fest. Die unerklärliche Schwächephase zu Beginn kostete seinem Team die Punkte, auch wenn ein Unentschieden beinahe noch der Lohn geworden wäre. Selbst Hans-Jürgen Meyer musste erkennen, dass „für Abtswind der Ausgleich hochverdient gewesen wäre.“

Wie also kam es zu den Kleinrinderfelder Treffern in der zehnten, sechzehnten und zwanzigsten Minute? Abtswind hatte sich düpieren lassen durch das schnelle Umschaltspiel der Hausherren. Sandro Kramosch, Silas Krebelder und Mario Christ stifteten mit ihren Finten Verwirrung, die dann das Toreschießen umso einfacher machte. Kramosch besorgte die 1:0-Führung zunächst selbst, indem er zum Gehäuse durchstartete. Dann legte der kleine Offensivmann für Peter Endres auf. Schließlich führte Krebelder die Abtswinder Hintermannschaft vor: ein Tanz mit Ball und Gegner, ein Haken nach dem anderen, bevor er noch die Kraft hatte, das Leder ins obere Eck zu zimmern. „Das Ding ging immer rein“, sagte Petr Skarabela zerknirscht. So viel Glück hatte seine Mannschaft nicht. Die guten Abschlüsse von Pascal Kamolz und Thilo Wilke wurden pariert oder abgelenkt (8. und 12. Minute). Carl Murphys Freistoß sprang auf die Latte (29. Minute).

„Mit einem 0:3 bin ich als Trainer schon lange nicht mehr in die Pause gegangen“, erinnerte sich Petr Skarabela. „Ein Tor vor der Halbzeit hätte uns gut getan.“ Einen Rückstand dieses Ausmaßes aufzuholen wäre freilich nicht unmöglich gewesen, die Wahrscheinlichkeit wurde mit zunehmender Spielzeit jedoch umso geringer. Ein schneller Treffer musste her, um die selbst errichtete Hürde wieder etwas herabzusetzen. Thilo Wilke kam im zweiten Abschnitt vermehrt zu Aktionen über die rechte Seite. Statt in der 51. Minute einen Mitspieler in Position zu bringen, wäre es wohl geschickter gewesen, selbst den Abschluss zu suchen. So verging die Zeit, in der bei Abtswind die Null auf der falschen Seite stand. Kleinrinderfeld befand sich in der komfortablen Situation, sich auf seiner Vorleistung auszuruhen. Kein Ball flog mehr in Richtung des Abtswinder Kastens, entgegengesetzt dafür immer häufiger.

Jürgen Endres brachte das Leder beim Freistoß in Bewegung, Adrian Graf legte ab zu Pascal Kamolz, und der köpfte ein zum 1:3. Eine Stunde war da vorüber. Die Abtswinder liefen heiß. Jonas Wirths Flanke wurde zum Torschuss. Die Latte verhinderte im ersten Moment den Erfolg, doch Mitspieler Thilo Wilke nutzte per Kopf die Chance im zweiten Anlauf (63.). Abtswind war mit dem 2:3 zurück im Spiel, und die Uhr noch lange nicht abgelaufen. „Meine Hoffnung war, dass wir irgendwie einen Punkt ergattern“, sagte Skarabela. Pascal Kamolz ging dorthin, wo es wehtat. Weil Kleinrinderfelds Schlussmann Pascal Krämer einen Befreiungsschlag mit voller Wucht auf dessen Hintern schoss, wurde der Ball zum Bumerang und trudelte am Tor vorbei (67.). Zwei schnelle Leute sollten das Abtswinder Spiel weiter ankurbeln. Jona Riedel und Michael Herrmann (erster Saisoneinsatz nach ausgestandener Verletzung) kamen aufs Feld und reihten sich in der Offensive auf. Carl Murphy nahm einmal per Vollspann Maß, scheiterte aber an Pascal Krämer „Zum Schluss war es ein Vabanquespiel: alles oder nichts“, sagte Petr Skarabela, der in den letzten Minuten sogar Torhüter Florian Warschecha nach vorne ließ. Auszahlen sollte sich das Risiko nicht mehr.

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Kleinrinderfeld: Pascal Krämer – Kevin Engert, Simon Sommer, Manuel Jäger, Julian Meyer – Benedikt Engert, Tim Schlachter – Silas Krebelder, Mario Christ (64. Marco Kramosch), Sandro Kramosch (81. Stephan Spingler) – Peter Endres (72. Joshua Heberlein).
TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz (46. Jonas Wirth) – Jürgen Endres, Nicolas Wirsching, Thilo Wilke, Steffen Barthel (57. Jona Riedel) – Peter Mrugalla (68. Michael Herrmann), Pascal Kamolz.
Schiedsrichter: Steffen Ehwald (Geldersheim); Assistenten: Stefan Orf (Bad Neustadt), Dominic Hofmann (Schwanfeld).
Zuschauer: 130.
Gelbe Karten: Mario Christ, Manuel Jäger, Julian Meyer, Silas Krebelder (Kleinrinderfeld); Jürgen Endres, Adrian Graf (Abtswind).
Tore: 1:0 Sandro Kramosch (10.), 2:0 Peter Endres (16.), 3:0 Silas Krebelder (20.), 3:1 Pascal Kamolz (61.), 3:2 Thilo Wilke (63.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Das Spiel wurde in der ersten Halbzeit verloren, nicht in der zweiten. So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen. Die Mannschaft hat in diesen Situationen hinten ohne Absicherung gespielt. Nach der Pause haben wir gezeigt, was wir können. Das war zu spät. Die spielerische Überlegenheit bringt dir nichts, wenn du verlierst. Ein 0:3-Rückstand bedeutete für uns eine ungewohnte Situation. Das kannten wir bisher nur umgekehrt. Schaut man sich unsere gravierenden Fehler an, so war das unsere Niederlage und nicht der Sieg des Gegners. Kleinrinderfeld stand tief und hatte im zweiten Durchgang keine einzige Chance mehr. Aber bei drei Toren Vorsprung braucht man auch nicht mehr nach vorne zu spielen. Eigentlich hätten wir nach unseren Riesenchancen nach zehn Minuten 2:0 führen müssen. Am Ende wäre ein Punkt für die Moral wichtig gewesen.“

Hans-Jürgen Meyer (Trainer TSV Kleinrinderfeld): „Der Sieg gegen diesen Gegner ist für uns das Nonplusultra. Wir haben es mit Kampf und Willenskraft geschafft. In der zweiten Halbzeit mussten wir uns durchbeißen, was bei der hohen Temperatur nicht einfach war. Mit der 3:0-Führung haben wir das Spiel verwaltet. Doch dann standen wir vor einem Problem: Nach den zwei Gegentreffern wurde es richtig eng. Plötzlich waren wir nervös und hektisch und hatten wieder etwas zu verlieren. Für Abtswind wäre der Ausgleich hochverdient gewesen. Entscheidend war, dass wir aus den ersten vier Chancen gleich drei Tore gemacht haben. Schnelle Seitenwechsel und erfolgreiche Aktionen im Eins-gegen-eins haben uns geholfen. Gegen Abtswind reicht es nicht, den Ball nach vorne zu dreschen. Wir wissen um unsere Qualität, nur können wir die nicht jeden Spieltag über neunzig Minuten abrufen.“

Wahl zur Elf der Woche beim Fußballportal Fupa: Hier für Abtswind abstimmen

Abtswind läuft zu spät heiß

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken


Aber die Erfolgsserie soll weitergehen

Hier finden Sie ihren persönlichen Fahrplan zum Wochenende

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Am Sonntag hat der TSV-Fan die Qual der Wahl: Heimspiel der dritten Mannschaft gegen Gerolzhofen oder Auswärtsfahrt zum Landesligaspiel in Kleinrinderfeld. Wer sich nicht entscheiden kann, relaxt zusammen mit der Reserve am Pool.

Die Mini-Serie steht: 3 Siege in Folge für unsere Landesligakicker. Auch gegen den hoch gehandelten TSV Kleinrinderfeld soll der Erfolgsweg weiter verfolgt werden. Für Perfektionist und Trainer Petr Skarabela in Personalunion spielen neben den nackten Ergebnissen auch die sekundären Faktoren eine wichtige Rolle, gerade in der Offensivfraktion: „Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt.“ Und prophezeit für das schwere Auswärtsspiel beim Tabellen-8. eine heiße, attraktive Partie.

Während die Reserve ihr spielfreies Wochenende genießt, empfängt die dritte Mannschaft die Spielgemeinschaft aus Gerolzhofen und Michelau. Nach der krachenden Auswärtsniederlage in Castell vielleicht genau der richtige Kontrahent, um die 9 Gegentore vom letzten Wochenende abzustrampeln. Die Gäste stehen ohne Punkt und einem 4:7-Torverhältnis auf einem direkten Abstiegsplatz.

Neuerung rund um die Fankultur beim TSV: Das Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer aus Abtswind begleitet uns durch die gesamte Spielzeit 2016/17. Bei jedem Sieg einer unserer drei Herrenmannschaften spendieren Ingrid und Thomas Behringer 2 Liter aus Ihrem Qualitätsweinsortiment. Das deutliche 4:0 der ersten Mannschaft gegen den TuS Röllbach schraubt das neue Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer auf sagenhafte 16 Liter besten Frankenweins. „Geh‘ mer zum Behringer“! Für Liebhaber des Frankenweins ist das die ganz einfache Verabredung zum Genuss. Eine Aktion „Vom Fan für den Fan“: Zum Saisonabschluss genießen wir Fans gemeinsam die Ausbeute. Also, liebe Aktiven, haut ordentlich rein.
Matthias Ley

Alle Spiele im Überblick:

Landesliga: TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportgelände Kleinrinderfeld, Deutschherrenstraße, 97271 Kleinrinderfeld
Abfahrt des Fanbusses am Wormser-Platz um 14:00 Uhr (Fahrpreis 7 Euro)
Schiedsrichter: Steffen Ehwald
Assistenten: Stefan Orf und Dominic Hofmann

Kreisliga: TSV Abtswind II
Spielfreies Wochenende

A-Klasse: SG Abtswind III / Feuerbach – SG FC Gerolzhofen II / DJK Michelau II
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportpark des 1.FC Feuerbach
Schiedsrichter: Ralf Mack

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken

Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht


Der Systemwechsel nach 20 Minuten kam zu spät – 45 Minuten Anrennen ohne zählbaren Erfolg

TSV Abtswind II – SV Mühlhausen/Schraudenbach 2:3 (2:3)

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Nach 20 Minuten stellt Thorsten Götzelmann um und beordert Fabian Mauderer ins hoffnungslos unterbesetzte Mittelfeld. „Ich musste reagieren. Gegen eine Mannschaft wie Mühlhausen, die sauber übers Mittelfeld kombinieren, kommst du mit einem Flügel lastigen 3-5-2 nicht an“ meint Abtswinds Interimstrainer, der für den im Urlaub weilenden Velibor Teofilovic nicht nur an der Linie operierte.

Mit Akklimatisieren, Abtasten oder sonstigen Spielchen zum Eingewöhnen hält sich kaum einer auf. Nach einem verunglückten Abtswinder Rückpass geht Mühlhausens Stürmer David Schyroki steil, legt von der Grundlinie zurück. Christian Knaups Slapstick Torabschluss landet zielsicher beim frei stehenden Mannschaftskollegen. Aus 8 Metern Tordistanz schwartet Leopold Göbel die Kugel in den Winkel. Abtswind gleicht mit dem direkten Gegenzug aus. Feine Kombination über Kapitän Christoph Kniewasser auf Stürmer Andy Herrmann, der direkt in den Lauf seines Sturmpartners schiebt. Jona Riedel setzt das Ding unhaltbar zum 1:1 in die Maschen. Da waren gerade einmal 4 Minuten von der Uhr.

Moralisch unschlagbar“, bewertet Abtswinds Stürmer Andreas Herrmann die Zeit nach dem Ausgleich. „Besser geht es nicht mehr. Aber das kaschiert nur, wie schlecht wir in die Spitze gespielt haben. Ständig hoch und weit. Da musst du gegen solch ausgebuffte Verteidiger wie Mühlhausens Kapitän Sebastian Neubert und René Fischer bestehen. Die gewinnen jedes Kopfballduell.“ In der Summe landen die Diagonalbälle aus der Abtswinder Viererkette zielsicher in Mühlhausens Defensive. Aufbau übers Abtswinder Mittelfeld ist kaum möglich. Im Zusammenspiel mit Maximilian Heß kann Eric Köhler dieses Mal kaum eine defensive Köhler-Linie ziehen. Die zwei Abtswinder stehen ständig einer zahlenmäßigen Mühlhäuser Übermacht gegenüber. Bildlich gesprochen: Abtswind zieht das Spiel taktisch extrem auf die Flügel und lässt dabei die Mitte brach liegen. Genau in diese Räume kombiniert das Team von Gästetrainer Thomas Niesner: „Abtswind spielt offensiv Hara-Kiri. Da schaltet sich alles ein, bis auf den Torwart. Aus den uns bietenden Räumen hätten wir deshalb mehr machen müssen.“ Auch so führt Mühlhausen nach einem Doppelschlag Mitte der ersten Hälfte mit 3:1. Erst eine Einzelaktion von Fabian Mauderer kaschiert das Ergebnis halbwegs. In der 40. Minute zieht er gegen gleich 3 Gegenspieler in den Mühlhäuser Strafraum ein und wird unmittelbar vorm Torabschluss von den Socken geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelt Christoph Hofmann humorlos zum 2:3- Anschlusstreffer aus Abtswinder Sicht.

Abtswind kommt mit Dampf aus dem Kabinentrakt und schnürt die Gäste phasenweise in deren eigener Hälfte ein. Chancen beinahe im Minutentakt. „Wir hatten uns den Gegner so schön zurecht gelegt“, meint ein konsternierter Andreas Herrmann nach Abpfiff. „Da müssen wir einfach 3 Dinger nachlegen und gut ist.“ Und wie sooft, wenn eine Partie eine gewisse Betriebstemperatur erreicht, kommen die strittigen Szenen zwangsläufig. Beispiel gefällig? Ein Abtswinder Eckball zischt unberührt durch den Mühlhäuser Strafraum. Im Hintergrund, am langen Pfosten steht Verteidiger Steffen Rumpel, wird vollkommen überrascht und wischt die Pille mit dem rechten Arm aus der Gefahrenzone. Auf Nachfrage bewertet Schiedsrichter Bernhard Limmer die Situation als Hand angelegt. Kurz darauf dreht sich Abtswinds Stürmer Thorsten Götzelmann um seinen Gegenspieler herum, legt sich den Ball in den Lauf, und wird oben und unten zu Fall gebracht. „Das habe ich genau gesehen“, meint der Unparteiische später im Abtswinder Mannschaftsheim auf Nachfrage. „Beide Akteure haben geklammert. Nach der Drehung hebt der Abtswinder sofort ab. Nur aufgrund des beidseitigen Textilvergehens habe ich ihm keine Verwarnung wegen Schwalbe gezeigt.“ An der Abtswinder Fanbande hingegen legt man sich sofort fest. Klarer Elfmeter. Mühlhausens Trainer Thomas Niesner wurde dabei stark an das letzte Aufeinandertreffen beider Teams erinnert. Da setzte Thorsten Götzelmann denselben Bewegungsablauf in Gang und bekam den schuldigen Elfmeter. Dieses Mal bleibt die Pfeife stumm. Und einige gute Abtswinder Torgelegenheiten im Wechsel mit sich häufenden Mühlhäuser Kontern später beendet Bernhard Limmer eine rassige, spannende Kreisligapartie.

Nach Abpfiff gehen die Meinungen aber so was von diametral auseinander. Einziger Konsens aller Beteiligten, quasi der kleinste gemeinsame Nenner, lautet: Das war mal eine attraktive Veranstaltung – mit dem besseren Ende für die Gäste, die eine spontane, lustige Kabinenpartie starten. Polonaise, Trinksprüche, Hoch die Asbach-Tassen inklusive. Die Abtswinder Landesligareserve übt sich währenddessen in Galgenhumor, oder wie es Daniel Kaminski lapidar raus rotzt: „Alles wie immer!“

Matthias Ley

Das Spiel im Überblick:

TSV Abtswind II: Eduard-Alin Wellmann – Christoph Hofmann, Christoph Kniewasser, Michael Rügamer, Maximilian Heß – Eric Köhler – Fabian Mauderer, Manuel Pauly, Jona Riedel, Julian Beßler – Andreas Herrmann. Einwechselspieler: Daniel Kaminski, Thorsten Götzelmann, Patrick Hock, Markus Golombek, Markus Schamberger.

SV Mühlhausen/Schraudenbach: Simon Falz – Leopold Göbel, Steffen Rumpel, Moritz Rumpel, Sebastian Neubert – Nico Mayer, Michael Pfeuffer, René Fischer, Christian Knaup – David Schyroki, Kevin Rumpel. Einwechselspieler: Steven Rumpel, Bernd Rumpel, Johannes Weippert, Marcel Facius.

Schiedsrichter: Bernhard Limmer (Hirschaid)

Zuschauer: ca. 70

Gelbe Karten: Christoph Kniewasser (TSV Abtswind II) – Nico Mayer, Kevin Rumpel (SV Mühlhausen/Schraudenbach)

Tore: 0:1 Leopold Göbel (3.), 1:1 Jona Riedel (4.), 1:2 Sebastian Neubert (23.), 1:3 Michael Pfeuffer (27.), 2:3 Christoph Hofmann (40., Foulelfmeter).

Die Stimmen zum Spiel:

Thorsten Götzelmann (Interims-Trainer TSV Abtswind II): Mit gewissen Vorgaben zum Spielsystem haben wir schlecht begonnen. Nach 20 Minuten konnte ich nicht anders, als umzustellen. Mit dem Personal heute hat das einfach nicht gepasst. Mühlhausen ist eine fußballerische Mannschaft. Die bläst den Ball nicht longline nach vorn, sondern bauen sauber übers Mittelfeld auf. Da waren Eric Köhler und Maximilian Heß ständig unterbesetzt. Dieses vorgegebene 3-4-3 hat hint und vorn nicht hingehauen. Nachdem Fabian Mauderer zurück gegangen ist, hat das besser geklappt. Trotzdem haben wir drei dumme Gegentreffer kassiert, die so normal nie fallen dürfen. In der Pause habe ich das klar angesprochen und erklärt, wie ich mir das vorstelle. Dann haben wir deutlich mehr Druck auf den Ball bekommen und uns eine Vielzahl an Torchancen heraus gespielt. Schade, dass wir uns für den Aufwand in der zweiten Hälfte nicht belohnt haben. Selbst Kevin Rumpel, Mühlhausens Außenverteidiger lobt dich für eine granatenstarke zweite Halbzeit. Aber davon kannst du dir nichts kaufen.

Thomas Niesner (Trainer SV Mühlhausen/Schraudenbach): Gerade in der ersten Hälfte ist mein Plan voll aufgegangen. Wir standen hinten kompakt. Gerade wenn man weiß, dass Abtswind spielerisch das Beste darstellt, was die Kreisliga zu bieten hat, da musst du defensiv sicher stehen. Sie spielen bedingungslos offensiv, was die eigene Mannschaft unter Druck setzt, aber auch Räume schafft für Konter. Das geht nur über Laufbereitschaft, wenn sie meistens in Überzahl nach vorne spielen. Da schaltet sich so ziemlich alles ein, was Beine hat. Aber wir müssen aus unseren Konterchancen mehr Kapital schlagen. Meiner Meinung nach sollten wir mit einem 4:1 in die Pause gehen. Und dann geht bei Abtswind beim ein oder anderen wahrscheinlich der Kopf runter. Wenn nur zwei gegnerische Spieler nicht Vollgas geben, dann schaukeln wir die Partie locker runter. So wird es in der zweiten Halbzeit noch einmal richtig heiß. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Ob der Auswärtssieg verdient war? Aufgrund der ersten Hälfte ja, aber betrachtet man die zweiten 45 Minuten, dann war der Sieg glücklich. In der Frage möchte ich mich nicht festlegen.

Andreas Herrmann (Stürmer TSV Abtswind II): Gerade in der ersten Halbzeit haben wir defensiv komplett gepennt. Wir kriegen den ersten Gegentreffer aus einem verunglückten Rückpass. Das kann natürlich einmal passieren. Kommen aber prompt zurück. Von der Moral kann uns da nichts besseres passieren. Beim zweiten Gegentreffer steht die Mauer wahrscheinlich nicht richtig. Beim dritten Treffer irritiert Michael Rügamer seinen Torwart. Aber wir holen noch vor der Pause den Elfmeter zum 2:3-Anschlusstreffer raus. Dann waren wir dran. Es ist nicht so, dass wir in der ersten Hälfte keine Chancen hatten. Bei uns fehlte ein offensives Aufbauspiel. Ständig lange Bälle in die Spitze. Wir haben kaum von Station über Station die Bälle nach vorne getragen. Nach dem Seitenwechsel war das ein ganz anderes Spiel. Da haben wir viele Bälle in die Box bekommen, auch keine schlechten. In diesen Situationen waren wir den einen Schritt zu spät, um besser an den Ball zu kommen. Das Handspiel von Mühlhausens Verteidiger Steffen Rumpel wird vermutlich von 90 Prozent der Schiedsrichter gepfiffen. Heute halt nicht. Aber das ist keine Entschuldigung. Wir wollen aufsteigen, sind vermutlich die spielerisch beste Mannschaft in der Kreisliga. Da können wir uns nicht an solchen Kleinigkeiten aufhängen. In der zweiten Halbzeit legen wir uns den Gegner richtig zurecht, dann müssen wir in der Lage sein, zwei, drei Mal zu klatschen und dann geht die Partie 6:3 aus.

Eduard-Alin Wellmann (Torwart TSV Abtswind II): Der 1:3-Gegentreffer sah schon kurios aus. Die Flanke kommt hoch rein. Im Rückwärtslaufen stolpere ich fast über Michael Rügamer in meinem Rücken, bekomme trotzdem noch eine Hand an den Ball und der rollt so saublöd über die Fingerkuppen. Von unten bis oben eine schön doofe Situation. Warum wir wieder erst in der zweiten Halbzeit das Fussballen anfangen, das ist schon ein Mysterium. Trotzdem hätten wir mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Voller Einsatz an der Linie und in der zweiten Hälfte auch mittendrin: Thorsten Götzelmann

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Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht

Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter


Der Schlussmann spielt seit Wochen mit einer Verletzung und verschiebt die Operation auf die Winterpause

TSV Abtswind – TuS Röllbach 4:0 (2:0)

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Das nennt man wohl eine makellose Bilanz: Alle seine drei Spiele auf eigenem Terrain hat der TSV Abtswind diese Saison mehr als souverän gewonnen. Macht in Zahlen neun Punkte und zwölf Tore, ohne dass dabei ein Gegentreffer fiel. Ins Muster fügte sich die Partie gegen den TuS Röllbach gleichermaßen. Daheim ist es halt doch am schönsten.

Er sei ja nicht so ein Mann der großen Worte. Sagt Florian Warschecha und meint das fast schon entschuldigend. Die hochgestochenen Sätze braucht’s meist auch gar nicht, um ein Fußballspiel treffend zu beschreiben. Und außerdem: Warum so bescheiden, Herr Warschecha? Abtswinds Schlussmann kam nach dem Schlusspfiff dann doch ganz nett ins Plaudern und hatte manchen Lacher auf seiner Seite. Vorrangig interessierte natürlich sein Gesundheitszustand. Der 27-Jährige ist nämlich verletzt, angeschlagen, wie auch immer. Irgendwas ist kaputt in seiner Schulter. Warschecha stellt sich trotzdem in den Kasten. Seit Wochen. Wann und wie das Ganze passiert ist? Puh! Weiß er selbst nicht so genau. Vermutlich war’s ein ungelenkes Strecken im Pokalspiel gegen den TSV Aubstadt Anfang Juli. „Am nächsten Tag konnte ich meine Schulter kaum bewegen“, erzählte Warschecha.

Mehrere Doctores schauten sich ihn an. Häufiger als auf dem Trainingsplatz war er bei Ärzten anzutreffen, doch erst der letzte Mediziner traf die richtige Diagnose. Um eine Operation wird Warschecha nicht herumkommen. Unters Messer legt er sich aber einstweilen nicht, weil das mehrere Monate Pause nach sich ziehen wird. Also hat Warschecha zusammen mit Trainer Petr Skarabela entschieden, den Eingriff in die Winterpause Anfang Dezember zu verschieben. Bis dahin beißt der pfundige Torwart die Zähne zusammen. „Manch anderer würde wohl nicht spielen“, glaubt Warschecha. „Ich bin nicht aus Zucker.“ Ganz ohne Vorsorge geht’s freilich nicht. Vor jedem Training, vor jedem Spiel versucht Masseur Johann Schäfer die Verletzung in den Griff zu bekommen – mit Salben und anderen Mittelchen, um die Schmerzen einzudämmen, was auch nicht immer angenehm ist. „Ich dachte heute einen Moment, mir verbrennt die Schulter“, sagte der Ballfänger nach dem Röllbach-Spiel. So sehr ging eine Wärmepaste unter die Haut.

Die Scherereien lohnen sich gerade für Florian Warschecha. Auch wenn’s ihn manchmal zwickt, entscheidend beeinträchtigt scheint er nicht. Jedenfalls gab’s große Anerkennung für eine immens wichtige Einlage. Nicht nur der eigene Coach Petr Skarabela lobte: „Mit so einem Torwart geht es mir noch besser.“ Selbst Röllbachs Trainer Albano Carneiro war beeindruckt: „Glückwunsch zur Parade!“ Knapp eine Stunde war vorüber, als Warschecha in den Flugmodus musste. Marius Diwersi hatte freistehend aus kurzer Entfernung abgezogen, doch Abtswinds Schlussmann lenkte den Ball dank starker Reflexmotorik übers Gestänge. 2:0 stand es da für sein Team. Mit dem Anschlusstreffer der Gäste wäre es womöglich noch mal eine heiße Kiste geworden. So aber machte Abtswind wenig später den Deckel drauf. Nicolas Wirsching schaufelte den Ball nach einem abgewehrten Freistoß im Rückwärtsfallen ins obere Eck. 3:0 hieß es damit (67. Minute).

Viel öfter war Florian Warschecha gar nicht gefordert, der trotz der niedrigen Beschäftigung im richtigen Moment aufmerksam war. Zu sicher stand die Abwehr vor ihm, als dass noch mehr Bälle durchrutschten. Es war ein Spiel ganz nach dem Geschmack von Trainer Skarabela. „Ich bin momentan richtig stolz die Mannschaft“, sagte der 48-Jährige. Abtswind befindet sich schließlich in einer Wohlfühlzone. Mit drei Siegen am Stück hat die Mannschaft eine kleine Serie gestartet. Die Ergebnisse sind ausufernd. Besonders daheim stimmen Ergebnis und Erlebnis. In der Tabelle gab es zur Belohnung einen kräftigen Sprung nach vorne. Besonders der Rückstand auf den wohl schärfsten Konkurrenten Jahn Forchheim hält sich bei drei Zählern in Grenzen.

Dass es mal wieder ein souveräner Sieg wurde, machte sich schon früh bemerkbar. Bis zur ersten Chance dauerte es keine zwei Minuten. Pascal Kamolz verpasste und stand kurz darauf schon wieder dort, wo ein Stürmer eben sein muss. Nur mit dem Zielen brauchte er noch ein bisschen. Das lief bei Thilo Wilke besser. Carl Murphys steiles Zuspiel kam da gerade recht. Wilke eilte davon und traf zum 1:0 (13.). Das Adrenalin aus dem Spiel nahm Kamolz noch vor der Pause. Sein dritter Anlauf, ein Tor zu erzielen, glückte. Nach der Flanke von Przemyslaw Szuszkiewicz brachte ein Kopfball das beruhigende 2:0 (41.). „Zwei einfache Fehler waren das von uns“, stellte Röllbachs Trainer Albano Carneiro fest. Einmal war seine Truppe richtig nah dran am Ausgleich, als Fabian Wolf das Tor knapp mit dem Kopf verfehlte (30.). „Wir müssen lernen“, sagte Carneiro, „und wir müssen Ruhe bewahren.“

Fünfmal hintereinander hat der Aufsteiger nun schon verloren, erst einen Sieg geholt. Solche Verhältnisse kannte man die letzten Jahre nicht. Zur Meisterschaft in der Bezirksliga ging’s tatsächlich ohne Niederlage. In Abtswind spielte Röllbach munter mit. „Wir versuchen es nicht nur übers Laufen und Kämpfen“, erklärte Carneiro. „Ich habe viele Spieler, die toll kombinieren können.“ Nur geht’s bei den Gegnern in der Landesliga eben schneller zu. Hoch anzurechnen war den Röllbachern, dass sie sich selbst nach dem dritten Gegentreffer nicht hängen ließen. Den direkt verwandelten Freistoß von Carl Murphy zum 4:0-Endstand verhindern konnten sie dennoch nicht (86.).

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz –Nicolas Wirsching, Jürgen Endres (86. Patrick Gnebner), Steffen Barthel, Thilo Wilke –Pascal Kamolz (70. Jona Riedel), Peter Mrugalla (83. Frank Hartlehnert).
TuS Röllbach: Erich Giesbrecht – Nico Heckmann (65. André Pascual), Marius Diwersi, Nicolai Kuhn, Björn Erhart (66. Daniel Koch)– René Hagendorf, Florian Grimm, Fabian Wolf, Till Link – Alexander Grimm (89. Merter Förtig), Mario Ackermann.
Schiedsrichter: Peter Frank (Uttenreuth); Assistenten: Martin Pehle (Großdechsendorf), Florian Leschka (Röttenbach).
Zuschauer: 170.
Gelbe Karten: Thilo Wilke (Abtswind); René Hagendorf, Björn Erhart, Marius Diwersi (Röllbach).
Tore: 1:0 Thilo Wilke (13.), 2:0 Pascal Kamolz (41.), 3:0 Nicolas Wirsching (67.), 4:0 Carl Murphy (86.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Wichtig ist mir, dass wir in den drei Heimspielen neun Punkte geholt, zwölf Tore geschossen und keines kassiert haben. Mittlerweile befinden wir uns auf einer Welle des Erfolgs. Jeder Spieler ist begeistert, wenn er von Beginn an aufläuft. Die Art und Weise, wie wir auftreten, begeistert auch mich. Torhüter Florian Warschecha war im richtigen Moment präsent. Wenn nach einer Stunde das 1:2 fällt, wäre das Spiel vielleicht schwieriger geworden. Wir hatten die Spielanteile, haben nicht viel zugelassen. Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt. Wenn die Mannschaft so wie heute umsetzt, was ich vorgebe, ist das der Idealfall.“

Albano Carneiro (Trainer TuS Röllbach): „Das war unsere fünfte Niederlage in Serie. Das sind wir nicht gewohnt nach einer sehr guten Bezirksliga-Saison, in der wir kein einziges Mal verloren hatten. Wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen, denn wir haben die Qualität, um in der Klasse zu bleiben. Gegen jeden Gegner haben wir mitspielt und die Punkte zu einfach liegen lassen. Wir müssen uns so schnell wie möglich an die Landesliga gewöhnen. Mit viel Laufarbeit und Kampf wollten wir heute ins Spiel kommen. Zwei einfache Fehler haben vor der Pause zu den Abtswinder Toren geführt. In der zweiten Halbzeit haben wir gut verteidigt und auch nach vorne einige Akzente gezeigt. Und dann holt der Abtswinder Torhüter den Ball mit einem hervorragenden Reflex heraus. Der Anschlusstreffer hätte noch einmal etwas bewegen können.“

Florian Warschecha (Torhüter TSV Abtswind): „Heute gibt es nicht viel zu meckern. Bis auf Kleinigkeiten haben wir unsere Sache wieder gut gemacht. Ich selbst habe nur einen Ball aufs Tor bekommen, und den habe ich gehalten. Dafür bin ich schließlich da. Auch wenn man als Keeper nicht viel zu tun hat, ist man immer mittendrin, um die Konzentration zu bewahren. Wir sind hinten kompakt, egal welcher Verteidiger vor mir steht. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. Vor jedem Spiel versuchen wir mit Masseur Johann Schäfer meine Schulterverletzung in den Griff zu bekommen. Im Spiel bin ich dann nicht entscheidend beeinträchtigt, spüre nur hin und wieder einen Schmerz. Ich bin nicht aus Zucker. Bis zur Winterpause ziehe ich es auf diese Weise durch. Im Dezember lasse ich mich operieren.“

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Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter

Abtswind läuft zu spät heiß


Ein 0:3-Rückstand nach zwanzig Minuten erweist sich als große Bürde für die Aufholjagd

TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind 3:2 (3:0)

Slider Ende

Wenn die Kleinrinderfelder zu Hause spielen, sind sie zu Großem fähig: Nach dem Sieg gegen Forchheim brachte die Mannschaft am Rande Bayerns dem nächsten hochgehandelten Konkurrenten eine Niederlage bei. Ehe Abtswind sich versah, waren drei Treffer gefallen. Die Aufholjagd in der Hitze scheiterte am Ende knapp.

Mit dem Schlusspfiff ging die Musik an. „Wer friert uns diesen Moment ein? Besser kann es nicht sein“, dröhnte es aus den Lautsprechern. Mit dem Einfrieren dürften sie in Kleinrinderfeld ihre Probleme gehabt haben angesichts der über dreißig Grad an diesem hitzigen Nachmittag. Besser ging es für den Augenblick freilich nicht. Schon wieder hatten sie einem Großen der Liga ein Bein gestellt. Neulich war es Bayernliga-Absteiger Jahn Forchheim (4:3), nun beim 3:2 der TSV Abtswind. „Das ist das Nonplusultra“, fand Kleinrinderfelds Trainer Hans-Jürgen Meyer, während im Hintergrund passenderweise der Refrain des Liedgutes lief: „Ein Hoch auf uns!“

Auf der anderen Seite galt es über einen Tiefpunkt zu grübeln. Abtswind hatte sich zwanzig Minuten lang völlig neben der Spur präsentiert, wie vom Hitzschlag getroffen. Dass der Gegner ausgerechnet in der Phase zur Hochform auflief und gleich dreimal traf, machte den Gästen schwer zu schaffen. „So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen“, stellte Trainer Petr Skarabela fest. Die unerklärliche Schwächephase zu Beginn kostete seinem Team die Punkte, auch wenn ein Unentschieden beinahe noch der Lohn geworden wäre. Selbst Hans-Jürgen Meyer musste erkennen, dass „für Abtswind der Ausgleich hochverdient gewesen wäre.“

Wie also kam es zu den Kleinrinderfelder Treffern in der zehnten, sechzehnten und zwanzigsten Minute? Abtswind hatte sich düpieren lassen durch das schnelle Umschaltspiel der Hausherren. Sandro Kramosch, Silas Krebelder und Mario Christ stifteten mit ihren Finten Verwirrung, die dann das Toreschießen umso einfacher machte. Kramosch besorgte die 1:0-Führung zunächst selbst, indem er zum Gehäuse durchstartete. Dann legte der kleine Offensivmann für Peter Endres auf. Schließlich führte Krebelder die Abtswinder Hintermannschaft vor: ein Tanz mit Ball und Gegner, ein Haken nach dem anderen, bevor er noch die Kraft hatte, das Leder ins obere Eck zu zimmern. „Das Ding ging immer rein“, sagte Petr Skarabela zerknirscht. So viel Glück hatte seine Mannschaft nicht. Die guten Abschlüsse von Pascal Kamolz und Thilo Wilke wurden pariert oder abgelenkt (8. und 12. Minute). Carl Murphys Freistoß sprang auf die Latte (29. Minute).

„Mit einem 0:3 bin ich als Trainer schon lange nicht mehr in die Pause gegangen“, erinnerte sich Petr Skarabela. „Ein Tor vor der Halbzeit hätte uns gut getan.“ Einen Rückstand dieses Ausmaßes aufzuholen wäre freilich nicht unmöglich gewesen, die Wahrscheinlichkeit wurde mit zunehmender Spielzeit jedoch umso geringer. Ein schneller Treffer musste her, um die selbst errichtete Hürde wieder etwas herabzusetzen. Thilo Wilke kam im zweiten Abschnitt vermehrt zu Aktionen über die rechte Seite. Statt in der 51. Minute einen Mitspieler in Position zu bringen, wäre es wohl geschickter gewesen, selbst den Abschluss zu suchen. So verging die Zeit, in der bei Abtswind die Null auf der falschen Seite stand. Kleinrinderfeld befand sich in der komfortablen Situation, sich auf seiner Vorleistung auszuruhen. Kein Ball flog mehr in Richtung des Abtswinder Kastens, entgegengesetzt dafür immer häufiger.

Jürgen Endres brachte das Leder beim Freistoß in Bewegung, Adrian Graf legte ab zu Pascal Kamolz, und der köpfte ein zum 1:3. Eine Stunde war da vorüber. Die Abtswinder liefen heiß. Jonas Wirths Flanke wurde zum Torschuss. Die Latte verhinderte im ersten Moment den Erfolg, doch Mitspieler Thilo Wilke nutzte per Kopf die Chance im zweiten Anlauf (63.). Abtswind war mit dem 2:3 zurück im Spiel, und die Uhr noch lange nicht abgelaufen. „Meine Hoffnung war, dass wir irgendwie einen Punkt ergattern“, sagte Skarabela. Pascal Kamolz ging dorthin, wo es wehtat. Weil Kleinrinderfelds Schlussmann Pascal Krämer einen Befreiungsschlag mit voller Wucht auf dessen Hintern schoss, wurde der Ball zum Bumerang und trudelte am Tor vorbei (67.). Zwei schnelle Leute sollten das Abtswinder Spiel weiter ankurbeln. Jona Riedel und Michael Herrmann (erster Saisoneinsatz nach ausgestandener Verletzung) kamen aufs Feld und reihten sich in der Offensive auf. Carl Murphy nahm einmal per Vollspann Maß, scheiterte aber an Pascal Krämer „Zum Schluss war es ein Vabanquespiel: alles oder nichts“, sagte Petr Skarabela, der in den letzten Minuten sogar Torhüter Florian Warschecha nach vorne ließ. Auszahlen sollte sich das Risiko nicht mehr.

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Kleinrinderfeld: Pascal Krämer – Kevin Engert, Simon Sommer, Manuel Jäger, Julian Meyer – Benedikt Engert, Tim Schlachter – Silas Krebelder, Mario Christ (64. Marco Kramosch), Sandro Kramosch (81. Stephan Spingler) – Peter Endres (72. Joshua Heberlein).
TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz (46. Jonas Wirth) – Jürgen Endres, Nicolas Wirsching, Thilo Wilke, Steffen Barthel (57. Jona Riedel) – Peter Mrugalla (68. Michael Herrmann), Pascal Kamolz.
Schiedsrichter: Steffen Ehwald (Geldersheim); Assistenten: Stefan Orf (Bad Neustadt), Dominic Hofmann (Schwanfeld).
Zuschauer: 130.
Gelbe Karten: Mario Christ, Manuel Jäger, Julian Meyer, Silas Krebelder (Kleinrinderfeld); Jürgen Endres, Adrian Graf (Abtswind).
Tore: 1:0 Sandro Kramosch (10.), 2:0 Peter Endres (16.), 3:0 Silas Krebelder (20.), 3:1 Pascal Kamolz (61.), 3:2 Thilo Wilke (63.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Das Spiel wurde in der ersten Halbzeit verloren, nicht in der zweiten. So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen. Die Mannschaft hat in diesen Situationen hinten ohne Absicherung gespielt. Nach der Pause haben wir gezeigt, was wir können. Das war zu spät. Die spielerische Überlegenheit bringt dir nichts, wenn du verlierst. Ein 0:3-Rückstand bedeutete für uns eine ungewohnte Situation. Das kannten wir bisher nur umgekehrt. Schaut man sich unsere gravierenden Fehler an, so war das unsere Niederlage und nicht der Sieg des Gegners. Kleinrinderfeld stand tief und hatte im zweiten Durchgang keine einzige Chance mehr. Aber bei drei Toren Vorsprung braucht man auch nicht mehr nach vorne zu spielen. Eigentlich hätten wir nach unseren Riesenchancen nach zehn Minuten 2:0 führen müssen. Am Ende wäre ein Punkt für die Moral wichtig gewesen.“

Hans-Jürgen Meyer (Trainer TSV Kleinrinderfeld): „Der Sieg gegen diesen Gegner ist für uns das Nonplusultra. Wir haben es mit Kampf und Willenskraft geschafft. In der zweiten Halbzeit mussten wir uns durchbeißen, was bei der hohen Temperatur nicht einfach war. Mit der 3:0-Führung haben wir das Spiel verwaltet. Doch dann standen wir vor einem Problem: Nach den zwei Gegentreffern wurde es richtig eng. Plötzlich waren wir nervös und hektisch und hatten wieder etwas zu verlieren. Für Abtswind wäre der Ausgleich hochverdient gewesen. Entscheidend war, dass wir aus den ersten vier Chancen gleich drei Tore gemacht haben. Schnelle Seitenwechsel und erfolgreiche Aktionen im Eins-gegen-eins haben uns geholfen. Gegen Abtswind reicht es nicht, den Ball nach vorne zu dreschen. Wir wissen um unsere Qualität, nur können wir die nicht jeden Spieltag über neunzig Minuten abrufen.“

Wahl zur Elf der Woche beim Fußballportal Fupa: Hier für Abtswind abstimmen

Abtswind läuft zu spät heiß

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken


Aber die Erfolgsserie soll weitergehen

Hier finden Sie ihren persönlichen Fahrplan zum Wochenende

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Am Sonntag hat der TSV-Fan die Qual der Wahl: Heimspiel der dritten Mannschaft gegen Gerolzhofen oder Auswärtsfahrt zum Landesligaspiel in Kleinrinderfeld. Wer sich nicht entscheiden kann, relaxt zusammen mit der Reserve am Pool.

Die Mini-Serie steht: 3 Siege in Folge für unsere Landesligakicker. Auch gegen den hoch gehandelten TSV Kleinrinderfeld soll der Erfolgsweg weiter verfolgt werden. Für Perfektionist und Trainer Petr Skarabela in Personalunion spielen neben den nackten Ergebnissen auch die sekundären Faktoren eine wichtige Rolle, gerade in der Offensivfraktion: „Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt.“ Und prophezeit für das schwere Auswärtsspiel beim Tabellen-8. eine heiße, attraktive Partie.

Während die Reserve ihr spielfreies Wochenende genießt, empfängt die dritte Mannschaft die Spielgemeinschaft aus Gerolzhofen und Michelau. Nach der krachenden Auswärtsniederlage in Castell vielleicht genau der richtige Kontrahent, um die 9 Gegentore vom letzten Wochenende abzustrampeln. Die Gäste stehen ohne Punkt und einem 4:7-Torverhältnis auf einem direkten Abstiegsplatz.

Neuerung rund um die Fankultur beim TSV: Das Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer aus Abtswind begleitet uns durch die gesamte Spielzeit 2016/17. Bei jedem Sieg einer unserer drei Herrenmannschaften spendieren Ingrid und Thomas Behringer 2 Liter aus Ihrem Qualitätsweinsortiment. Das deutliche 4:0 der ersten Mannschaft gegen den TuS Röllbach schraubt das neue Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer auf sagenhafte 16 Liter besten Frankenweins. „Geh‘ mer zum Behringer“! Für Liebhaber des Frankenweins ist das die ganz einfache Verabredung zum Genuss. Eine Aktion „Vom Fan für den Fan“: Zum Saisonabschluss genießen wir Fans gemeinsam die Ausbeute. Also, liebe Aktiven, haut ordentlich rein.
Matthias Ley

Alle Spiele im Überblick:

Landesliga: TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportgelände Kleinrinderfeld, Deutschherrenstraße, 97271 Kleinrinderfeld
Abfahrt des Fanbusses am Wormser-Platz um 14:00 Uhr (Fahrpreis 7 Euro)
Schiedsrichter: Steffen Ehwald
Assistenten: Stefan Orf und Dominic Hofmann

Kreisliga: TSV Abtswind II
Spielfreies Wochenende

A-Klasse: SG Abtswind III / Feuerbach – SG FC Gerolzhofen II / DJK Michelau II
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportpark des 1.FC Feuerbach
Schiedsrichter: Ralf Mack

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken

Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht


Der Systemwechsel nach 20 Minuten kam zu spät – 45 Minuten Anrennen ohne zählbaren Erfolg

TSV Abtswind II – SV Mühlhausen/Schraudenbach 2:3 (2:3)

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Nach 20 Minuten stellt Thorsten Götzelmann um und beordert Fabian Mauderer ins hoffnungslos unterbesetzte Mittelfeld. „Ich musste reagieren. Gegen eine Mannschaft wie Mühlhausen, die sauber übers Mittelfeld kombinieren, kommst du mit einem Flügel lastigen 3-5-2 nicht an“ meint Abtswinds Interimstrainer, der für den im Urlaub weilenden Velibor Teofilovic nicht nur an der Linie operierte.

Mit Akklimatisieren, Abtasten oder sonstigen Spielchen zum Eingewöhnen hält sich kaum einer auf. Nach einem verunglückten Abtswinder Rückpass geht Mühlhausens Stürmer David Schyroki steil, legt von der Grundlinie zurück. Christian Knaups Slapstick Torabschluss landet zielsicher beim frei stehenden Mannschaftskollegen. Aus 8 Metern Tordistanz schwartet Leopold Göbel die Kugel in den Winkel. Abtswind gleicht mit dem direkten Gegenzug aus. Feine Kombination über Kapitän Christoph Kniewasser auf Stürmer Andy Herrmann, der direkt in den Lauf seines Sturmpartners schiebt. Jona Riedel setzt das Ding unhaltbar zum 1:1 in die Maschen. Da waren gerade einmal 4 Minuten von der Uhr.

Moralisch unschlagbar“, bewertet Abtswinds Stürmer Andreas Herrmann die Zeit nach dem Ausgleich. „Besser geht es nicht mehr. Aber das kaschiert nur, wie schlecht wir in die Spitze gespielt haben. Ständig hoch und weit. Da musst du gegen solch ausgebuffte Verteidiger wie Mühlhausens Kapitän Sebastian Neubert und René Fischer bestehen. Die gewinnen jedes Kopfballduell.“ In der Summe landen die Diagonalbälle aus der Abtswinder Viererkette zielsicher in Mühlhausens Defensive. Aufbau übers Abtswinder Mittelfeld ist kaum möglich. Im Zusammenspiel mit Maximilian Heß kann Eric Köhler dieses Mal kaum eine defensive Köhler-Linie ziehen. Die zwei Abtswinder stehen ständig einer zahlenmäßigen Mühlhäuser Übermacht gegenüber. Bildlich gesprochen: Abtswind zieht das Spiel taktisch extrem auf die Flügel und lässt dabei die Mitte brach liegen. Genau in diese Räume kombiniert das Team von Gästetrainer Thomas Niesner: „Abtswind spielt offensiv Hara-Kiri. Da schaltet sich alles ein, bis auf den Torwart. Aus den uns bietenden Räumen hätten wir deshalb mehr machen müssen.“ Auch so führt Mühlhausen nach einem Doppelschlag Mitte der ersten Hälfte mit 3:1. Erst eine Einzelaktion von Fabian Mauderer kaschiert das Ergebnis halbwegs. In der 40. Minute zieht er gegen gleich 3 Gegenspieler in den Mühlhäuser Strafraum ein und wird unmittelbar vorm Torabschluss von den Socken geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelt Christoph Hofmann humorlos zum 2:3- Anschlusstreffer aus Abtswinder Sicht.

Abtswind kommt mit Dampf aus dem Kabinentrakt und schnürt die Gäste phasenweise in deren eigener Hälfte ein. Chancen beinahe im Minutentakt. „Wir hatten uns den Gegner so schön zurecht gelegt“, meint ein konsternierter Andreas Herrmann nach Abpfiff. „Da müssen wir einfach 3 Dinger nachlegen und gut ist.“ Und wie sooft, wenn eine Partie eine gewisse Betriebstemperatur erreicht, kommen die strittigen Szenen zwangsläufig. Beispiel gefällig? Ein Abtswinder Eckball zischt unberührt durch den Mühlhäuser Strafraum. Im Hintergrund, am langen Pfosten steht Verteidiger Steffen Rumpel, wird vollkommen überrascht und wischt die Pille mit dem rechten Arm aus der Gefahrenzone. Auf Nachfrage bewertet Schiedsrichter Bernhard Limmer die Situation als Hand angelegt. Kurz darauf dreht sich Abtswinds Stürmer Thorsten Götzelmann um seinen Gegenspieler herum, legt sich den Ball in den Lauf, und wird oben und unten zu Fall gebracht. „Das habe ich genau gesehen“, meint der Unparteiische später im Abtswinder Mannschaftsheim auf Nachfrage. „Beide Akteure haben geklammert. Nach der Drehung hebt der Abtswinder sofort ab. Nur aufgrund des beidseitigen Textilvergehens habe ich ihm keine Verwarnung wegen Schwalbe gezeigt.“ An der Abtswinder Fanbande hingegen legt man sich sofort fest. Klarer Elfmeter. Mühlhausens Trainer Thomas Niesner wurde dabei stark an das letzte Aufeinandertreffen beider Teams erinnert. Da setzte Thorsten Götzelmann denselben Bewegungsablauf in Gang und bekam den schuldigen Elfmeter. Dieses Mal bleibt die Pfeife stumm. Und einige gute Abtswinder Torgelegenheiten im Wechsel mit sich häufenden Mühlhäuser Kontern später beendet Bernhard Limmer eine rassige, spannende Kreisligapartie.

Nach Abpfiff gehen die Meinungen aber so was von diametral auseinander. Einziger Konsens aller Beteiligten, quasi der kleinste gemeinsame Nenner, lautet: Das war mal eine attraktive Veranstaltung – mit dem besseren Ende für die Gäste, die eine spontane, lustige Kabinenpartie starten. Polonaise, Trinksprüche, Hoch die Asbach-Tassen inklusive. Die Abtswinder Landesligareserve übt sich währenddessen in Galgenhumor, oder wie es Daniel Kaminski lapidar raus rotzt: „Alles wie immer!“

Matthias Ley

Das Spiel im Überblick:

TSV Abtswind II: Eduard-Alin Wellmann – Christoph Hofmann, Christoph Kniewasser, Michael Rügamer, Maximilian Heß – Eric Köhler – Fabian Mauderer, Manuel Pauly, Jona Riedel, Julian Beßler – Andreas Herrmann. Einwechselspieler: Daniel Kaminski, Thorsten Götzelmann, Patrick Hock, Markus Golombek, Markus Schamberger.

SV Mühlhausen/Schraudenbach: Simon Falz – Leopold Göbel, Steffen Rumpel, Moritz Rumpel, Sebastian Neubert – Nico Mayer, Michael Pfeuffer, René Fischer, Christian Knaup – David Schyroki, Kevin Rumpel. Einwechselspieler: Steven Rumpel, Bernd Rumpel, Johannes Weippert, Marcel Facius.

Schiedsrichter: Bernhard Limmer (Hirschaid)

Zuschauer: ca. 70

Gelbe Karten: Christoph Kniewasser (TSV Abtswind II) – Nico Mayer, Kevin Rumpel (SV Mühlhausen/Schraudenbach)

Tore: 0:1 Leopold Göbel (3.), 1:1 Jona Riedel (4.), 1:2 Sebastian Neubert (23.), 1:3 Michael Pfeuffer (27.), 2:3 Christoph Hofmann (40., Foulelfmeter).

Die Stimmen zum Spiel:

Thorsten Götzelmann (Interims-Trainer TSV Abtswind II): Mit gewissen Vorgaben zum Spielsystem haben wir schlecht begonnen. Nach 20 Minuten konnte ich nicht anders, als umzustellen. Mit dem Personal heute hat das einfach nicht gepasst. Mühlhausen ist eine fußballerische Mannschaft. Die bläst den Ball nicht longline nach vorn, sondern bauen sauber übers Mittelfeld auf. Da waren Eric Köhler und Maximilian Heß ständig unterbesetzt. Dieses vorgegebene 3-4-3 hat hint und vorn nicht hingehauen. Nachdem Fabian Mauderer zurück gegangen ist, hat das besser geklappt. Trotzdem haben wir drei dumme Gegentreffer kassiert, die so normal nie fallen dürfen. In der Pause habe ich das klar angesprochen und erklärt, wie ich mir das vorstelle. Dann haben wir deutlich mehr Druck auf den Ball bekommen und uns eine Vielzahl an Torchancen heraus gespielt. Schade, dass wir uns für den Aufwand in der zweiten Hälfte nicht belohnt haben. Selbst Kevin Rumpel, Mühlhausens Außenverteidiger lobt dich für eine granatenstarke zweite Halbzeit. Aber davon kannst du dir nichts kaufen.

Thomas Niesner (Trainer SV Mühlhausen/Schraudenbach): Gerade in der ersten Hälfte ist mein Plan voll aufgegangen. Wir standen hinten kompakt. Gerade wenn man weiß, dass Abtswind spielerisch das Beste darstellt, was die Kreisliga zu bieten hat, da musst du defensiv sicher stehen. Sie spielen bedingungslos offensiv, was die eigene Mannschaft unter Druck setzt, aber auch Räume schafft für Konter. Das geht nur über Laufbereitschaft, wenn sie meistens in Überzahl nach vorne spielen. Da schaltet sich so ziemlich alles ein, was Beine hat. Aber wir müssen aus unseren Konterchancen mehr Kapital schlagen. Meiner Meinung nach sollten wir mit einem 4:1 in die Pause gehen. Und dann geht bei Abtswind beim ein oder anderen wahrscheinlich der Kopf runter. Wenn nur zwei gegnerische Spieler nicht Vollgas geben, dann schaukeln wir die Partie locker runter. So wird es in der zweiten Halbzeit noch einmal richtig heiß. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Ob der Auswärtssieg verdient war? Aufgrund der ersten Hälfte ja, aber betrachtet man die zweiten 45 Minuten, dann war der Sieg glücklich. In der Frage möchte ich mich nicht festlegen.

Andreas Herrmann (Stürmer TSV Abtswind II): Gerade in der ersten Halbzeit haben wir defensiv komplett gepennt. Wir kriegen den ersten Gegentreffer aus einem verunglückten Rückpass. Das kann natürlich einmal passieren. Kommen aber prompt zurück. Von der Moral kann uns da nichts besseres passieren. Beim zweiten Gegentreffer steht die Mauer wahrscheinlich nicht richtig. Beim dritten Treffer irritiert Michael Rügamer seinen Torwart. Aber wir holen noch vor der Pause den Elfmeter zum 2:3-Anschlusstreffer raus. Dann waren wir dran. Es ist nicht so, dass wir in der ersten Hälfte keine Chancen hatten. Bei uns fehlte ein offensives Aufbauspiel. Ständig lange Bälle in die Spitze. Wir haben kaum von Station über Station die Bälle nach vorne getragen. Nach dem Seitenwechsel war das ein ganz anderes Spiel. Da haben wir viele Bälle in die Box bekommen, auch keine schlechten. In diesen Situationen waren wir den einen Schritt zu spät, um besser an den Ball zu kommen. Das Handspiel von Mühlhausens Verteidiger Steffen Rumpel wird vermutlich von 90 Prozent der Schiedsrichter gepfiffen. Heute halt nicht. Aber das ist keine Entschuldigung. Wir wollen aufsteigen, sind vermutlich die spielerisch beste Mannschaft in der Kreisliga. Da können wir uns nicht an solchen Kleinigkeiten aufhängen. In der zweiten Halbzeit legen wir uns den Gegner richtig zurecht, dann müssen wir in der Lage sein, zwei, drei Mal zu klatschen und dann geht die Partie 6:3 aus.

Eduard-Alin Wellmann (Torwart TSV Abtswind II): Der 1:3-Gegentreffer sah schon kurios aus. Die Flanke kommt hoch rein. Im Rückwärtslaufen stolpere ich fast über Michael Rügamer in meinem Rücken, bekomme trotzdem noch eine Hand an den Ball und der rollt so saublöd über die Fingerkuppen. Von unten bis oben eine schön doofe Situation. Warum wir wieder erst in der zweiten Halbzeit das Fussballen anfangen, das ist schon ein Mysterium. Trotzdem hätten wir mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Voller Einsatz an der Linie und in der zweiten Hälfte auch mittendrin: Thorsten Götzelmann

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Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht

Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter


Der Schlussmann spielt seit Wochen mit einer Verletzung und verschiebt die Operation auf die Winterpause

TSV Abtswind – TuS Röllbach 4:0 (2:0)

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Das nennt man wohl eine makellose Bilanz: Alle seine drei Spiele auf eigenem Terrain hat der TSV Abtswind diese Saison mehr als souverän gewonnen. Macht in Zahlen neun Punkte und zwölf Tore, ohne dass dabei ein Gegentreffer fiel. Ins Muster fügte sich die Partie gegen den TuS Röllbach gleichermaßen. Daheim ist es halt doch am schönsten.

Er sei ja nicht so ein Mann der großen Worte. Sagt Florian Warschecha und meint das fast schon entschuldigend. Die hochgestochenen Sätze braucht’s meist auch gar nicht, um ein Fußballspiel treffend zu beschreiben. Und außerdem: Warum so bescheiden, Herr Warschecha? Abtswinds Schlussmann kam nach dem Schlusspfiff dann doch ganz nett ins Plaudern und hatte manchen Lacher auf seiner Seite. Vorrangig interessierte natürlich sein Gesundheitszustand. Der 27-Jährige ist nämlich verletzt, angeschlagen, wie auch immer. Irgendwas ist kaputt in seiner Schulter. Warschecha stellt sich trotzdem in den Kasten. Seit Wochen. Wann und wie das Ganze passiert ist? Puh! Weiß er selbst nicht so genau. Vermutlich war’s ein ungelenkes Strecken im Pokalspiel gegen den TSV Aubstadt Anfang Juli. „Am nächsten Tag konnte ich meine Schulter kaum bewegen“, erzählte Warschecha.

Mehrere Doctores schauten sich ihn an. Häufiger als auf dem Trainingsplatz war er bei Ärzten anzutreffen, doch erst der letzte Mediziner traf die richtige Diagnose. Um eine Operation wird Warschecha nicht herumkommen. Unters Messer legt er sich aber einstweilen nicht, weil das mehrere Monate Pause nach sich ziehen wird. Also hat Warschecha zusammen mit Trainer Petr Skarabela entschieden, den Eingriff in die Winterpause Anfang Dezember zu verschieben. Bis dahin beißt der pfundige Torwart die Zähne zusammen. „Manch anderer würde wohl nicht spielen“, glaubt Warschecha. „Ich bin nicht aus Zucker.“ Ganz ohne Vorsorge geht’s freilich nicht. Vor jedem Training, vor jedem Spiel versucht Masseur Johann Schäfer die Verletzung in den Griff zu bekommen – mit Salben und anderen Mittelchen, um die Schmerzen einzudämmen, was auch nicht immer angenehm ist. „Ich dachte heute einen Moment, mir verbrennt die Schulter“, sagte der Ballfänger nach dem Röllbach-Spiel. So sehr ging eine Wärmepaste unter die Haut.

Die Scherereien lohnen sich gerade für Florian Warschecha. Auch wenn’s ihn manchmal zwickt, entscheidend beeinträchtigt scheint er nicht. Jedenfalls gab’s große Anerkennung für eine immens wichtige Einlage. Nicht nur der eigene Coach Petr Skarabela lobte: „Mit so einem Torwart geht es mir noch besser.“ Selbst Röllbachs Trainer Albano Carneiro war beeindruckt: „Glückwunsch zur Parade!“ Knapp eine Stunde war vorüber, als Warschecha in den Flugmodus musste. Marius Diwersi hatte freistehend aus kurzer Entfernung abgezogen, doch Abtswinds Schlussmann lenkte den Ball dank starker Reflexmotorik übers Gestänge. 2:0 stand es da für sein Team. Mit dem Anschlusstreffer der Gäste wäre es womöglich noch mal eine heiße Kiste geworden. So aber machte Abtswind wenig später den Deckel drauf. Nicolas Wirsching schaufelte den Ball nach einem abgewehrten Freistoß im Rückwärtsfallen ins obere Eck. 3:0 hieß es damit (67. Minute).

Viel öfter war Florian Warschecha gar nicht gefordert, der trotz der niedrigen Beschäftigung im richtigen Moment aufmerksam war. Zu sicher stand die Abwehr vor ihm, als dass noch mehr Bälle durchrutschten. Es war ein Spiel ganz nach dem Geschmack von Trainer Skarabela. „Ich bin momentan richtig stolz die Mannschaft“, sagte der 48-Jährige. Abtswind befindet sich schließlich in einer Wohlfühlzone. Mit drei Siegen am Stück hat die Mannschaft eine kleine Serie gestartet. Die Ergebnisse sind ausufernd. Besonders daheim stimmen Ergebnis und Erlebnis. In der Tabelle gab es zur Belohnung einen kräftigen Sprung nach vorne. Besonders der Rückstand auf den wohl schärfsten Konkurrenten Jahn Forchheim hält sich bei drei Zählern in Grenzen.

Dass es mal wieder ein souveräner Sieg wurde, machte sich schon früh bemerkbar. Bis zur ersten Chance dauerte es keine zwei Minuten. Pascal Kamolz verpasste und stand kurz darauf schon wieder dort, wo ein Stürmer eben sein muss. Nur mit dem Zielen brauchte er noch ein bisschen. Das lief bei Thilo Wilke besser. Carl Murphys steiles Zuspiel kam da gerade recht. Wilke eilte davon und traf zum 1:0 (13.). Das Adrenalin aus dem Spiel nahm Kamolz noch vor der Pause. Sein dritter Anlauf, ein Tor zu erzielen, glückte. Nach der Flanke von Przemyslaw Szuszkiewicz brachte ein Kopfball das beruhigende 2:0 (41.). „Zwei einfache Fehler waren das von uns“, stellte Röllbachs Trainer Albano Carneiro fest. Einmal war seine Truppe richtig nah dran am Ausgleich, als Fabian Wolf das Tor knapp mit dem Kopf verfehlte (30.). „Wir müssen lernen“, sagte Carneiro, „und wir müssen Ruhe bewahren.“

Fünfmal hintereinander hat der Aufsteiger nun schon verloren, erst einen Sieg geholt. Solche Verhältnisse kannte man die letzten Jahre nicht. Zur Meisterschaft in der Bezirksliga ging’s tatsächlich ohne Niederlage. In Abtswind spielte Röllbach munter mit. „Wir versuchen es nicht nur übers Laufen und Kämpfen“, erklärte Carneiro. „Ich habe viele Spieler, die toll kombinieren können.“ Nur geht’s bei den Gegnern in der Landesliga eben schneller zu. Hoch anzurechnen war den Röllbachern, dass sie sich selbst nach dem dritten Gegentreffer nicht hängen ließen. Den direkt verwandelten Freistoß von Carl Murphy zum 4:0-Endstand verhindern konnten sie dennoch nicht (86.).

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz –Nicolas Wirsching, Jürgen Endres (86. Patrick Gnebner), Steffen Barthel, Thilo Wilke –Pascal Kamolz (70. Jona Riedel), Peter Mrugalla (83. Frank Hartlehnert).
TuS Röllbach: Erich Giesbrecht – Nico Heckmann (65. André Pascual), Marius Diwersi, Nicolai Kuhn, Björn Erhart (66. Daniel Koch)– René Hagendorf, Florian Grimm, Fabian Wolf, Till Link – Alexander Grimm (89. Merter Förtig), Mario Ackermann.
Schiedsrichter: Peter Frank (Uttenreuth); Assistenten: Martin Pehle (Großdechsendorf), Florian Leschka (Röttenbach).
Zuschauer: 170.
Gelbe Karten: Thilo Wilke (Abtswind); René Hagendorf, Björn Erhart, Marius Diwersi (Röllbach).
Tore: 1:0 Thilo Wilke (13.), 2:0 Pascal Kamolz (41.), 3:0 Nicolas Wirsching (67.), 4:0 Carl Murphy (86.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Wichtig ist mir, dass wir in den drei Heimspielen neun Punkte geholt, zwölf Tore geschossen und keines kassiert haben. Mittlerweile befinden wir uns auf einer Welle des Erfolgs. Jeder Spieler ist begeistert, wenn er von Beginn an aufläuft. Die Art und Weise, wie wir auftreten, begeistert auch mich. Torhüter Florian Warschecha war im richtigen Moment präsent. Wenn nach einer Stunde das 1:2 fällt, wäre das Spiel vielleicht schwieriger geworden. Wir hatten die Spielanteile, haben nicht viel zugelassen. Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt. Wenn die Mannschaft so wie heute umsetzt, was ich vorgebe, ist das der Idealfall.“

Albano Carneiro (Trainer TuS Röllbach): „Das war unsere fünfte Niederlage in Serie. Das sind wir nicht gewohnt nach einer sehr guten Bezirksliga-Saison, in der wir kein einziges Mal verloren hatten. Wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen, denn wir haben die Qualität, um in der Klasse zu bleiben. Gegen jeden Gegner haben wir mitspielt und die Punkte zu einfach liegen lassen. Wir müssen uns so schnell wie möglich an die Landesliga gewöhnen. Mit viel Laufarbeit und Kampf wollten wir heute ins Spiel kommen. Zwei einfache Fehler haben vor der Pause zu den Abtswinder Toren geführt. In der zweiten Halbzeit haben wir gut verteidigt und auch nach vorne einige Akzente gezeigt. Und dann holt der Abtswinder Torhüter den Ball mit einem hervorragenden Reflex heraus. Der Anschlusstreffer hätte noch einmal etwas bewegen können.“

Florian Warschecha (Torhüter TSV Abtswind): „Heute gibt es nicht viel zu meckern. Bis auf Kleinigkeiten haben wir unsere Sache wieder gut gemacht. Ich selbst habe nur einen Ball aufs Tor bekommen, und den habe ich gehalten. Dafür bin ich schließlich da. Auch wenn man als Keeper nicht viel zu tun hat, ist man immer mittendrin, um die Konzentration zu bewahren. Wir sind hinten kompakt, egal welcher Verteidiger vor mir steht. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. Vor jedem Spiel versuchen wir mit Masseur Johann Schäfer meine Schulterverletzung in den Griff zu bekommen. Im Spiel bin ich dann nicht entscheidend beeinträchtigt, spüre nur hin und wieder einen Schmerz. Ich bin nicht aus Zucker. Bis zur Winterpause ziehe ich es auf diese Weise durch. Im Dezember lasse ich mich operieren.“

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Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter

Abtswind läuft zu spät heiß


Ein 0:3-Rückstand nach zwanzig Minuten erweist sich als große Bürde für die Aufholjagd

TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind 3:2 (3:0)

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Wenn die Kleinrinderfelder zu Hause spielen, sind sie zu Großem fähig: Nach dem Sieg gegen Forchheim brachte die Mannschaft am Rande Bayerns dem nächsten hochgehandelten Konkurrenten eine Niederlage bei. Ehe Abtswind sich versah, waren drei Treffer gefallen. Die Aufholjagd in der Hitze scheiterte am Ende knapp.

Mit dem Schlusspfiff ging die Musik an. „Wer friert uns diesen Moment ein? Besser kann es nicht sein“, dröhnte es aus den Lautsprechern. Mit dem Einfrieren dürften sie in Kleinrinderfeld ihre Probleme gehabt haben angesichts der über dreißig Grad an diesem hitzigen Nachmittag. Besser ging es für den Augenblick freilich nicht. Schon wieder hatten sie einem Großen der Liga ein Bein gestellt. Neulich war es Bayernliga-Absteiger Jahn Forchheim (4:3), nun beim 3:2 der TSV Abtswind. „Das ist das Nonplusultra“, fand Kleinrinderfelds Trainer Hans-Jürgen Meyer, während im Hintergrund passenderweise der Refrain des Liedgutes lief: „Ein Hoch auf uns!“

Auf der anderen Seite galt es über einen Tiefpunkt zu grübeln. Abtswind hatte sich zwanzig Minuten lang völlig neben der Spur präsentiert, wie vom Hitzschlag getroffen. Dass der Gegner ausgerechnet in der Phase zur Hochform auflief und gleich dreimal traf, machte den Gästen schwer zu schaffen. „So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen“, stellte Trainer Petr Skarabela fest. Die unerklärliche Schwächephase zu Beginn kostete seinem Team die Punkte, auch wenn ein Unentschieden beinahe noch der Lohn geworden wäre. Selbst Hans-Jürgen Meyer musste erkennen, dass „für Abtswind der Ausgleich hochverdient gewesen wäre.“

Wie also kam es zu den Kleinrinderfelder Treffern in der zehnten, sechzehnten und zwanzigsten Minute? Abtswind hatte sich düpieren lassen durch das schnelle Umschaltspiel der Hausherren. Sandro Kramosch, Silas Krebelder und Mario Christ stifteten mit ihren Finten Verwirrung, die dann das Toreschießen umso einfacher machte. Kramosch besorgte die 1:0-Führung zunächst selbst, indem er zum Gehäuse durchstartete. Dann legte der kleine Offensivmann für Peter Endres auf. Schließlich führte Krebelder die Abtswinder Hintermannschaft vor: ein Tanz mit Ball und Gegner, ein Haken nach dem anderen, bevor er noch die Kraft hatte, das Leder ins obere Eck zu zimmern. „Das Ding ging immer rein“, sagte Petr Skarabela zerknirscht. So viel Glück hatte seine Mannschaft nicht. Die guten Abschlüsse von Pascal Kamolz und Thilo Wilke wurden pariert oder abgelenkt (8. und 12. Minute). Carl Murphys Freistoß sprang auf die Latte (29. Minute).

„Mit einem 0:3 bin ich als Trainer schon lange nicht mehr in die Pause gegangen“, erinnerte sich Petr Skarabela. „Ein Tor vor der Halbzeit hätte uns gut getan.“ Einen Rückstand dieses Ausmaßes aufzuholen wäre freilich nicht unmöglich gewesen, die Wahrscheinlichkeit wurde mit zunehmender Spielzeit jedoch umso geringer. Ein schneller Treffer musste her, um die selbst errichtete Hürde wieder etwas herabzusetzen. Thilo Wilke kam im zweiten Abschnitt vermehrt zu Aktionen über die rechte Seite. Statt in der 51. Minute einen Mitspieler in Position zu bringen, wäre es wohl geschickter gewesen, selbst den Abschluss zu suchen. So verging die Zeit, in der bei Abtswind die Null auf der falschen Seite stand. Kleinrinderfeld befand sich in der komfortablen Situation, sich auf seiner Vorleistung auszuruhen. Kein Ball flog mehr in Richtung des Abtswinder Kastens, entgegengesetzt dafür immer häufiger.

Jürgen Endres brachte das Leder beim Freistoß in Bewegung, Adrian Graf legte ab zu Pascal Kamolz, und der köpfte ein zum 1:3. Eine Stunde war da vorüber. Die Abtswinder liefen heiß. Jonas Wirths Flanke wurde zum Torschuss. Die Latte verhinderte im ersten Moment den Erfolg, doch Mitspieler Thilo Wilke nutzte per Kopf die Chance im zweiten Anlauf (63.). Abtswind war mit dem 2:3 zurück im Spiel, und die Uhr noch lange nicht abgelaufen. „Meine Hoffnung war, dass wir irgendwie einen Punkt ergattern“, sagte Skarabela. Pascal Kamolz ging dorthin, wo es wehtat. Weil Kleinrinderfelds Schlussmann Pascal Krämer einen Befreiungsschlag mit voller Wucht auf dessen Hintern schoss, wurde der Ball zum Bumerang und trudelte am Tor vorbei (67.). Zwei schnelle Leute sollten das Abtswinder Spiel weiter ankurbeln. Jona Riedel und Michael Herrmann (erster Saisoneinsatz nach ausgestandener Verletzung) kamen aufs Feld und reihten sich in der Offensive auf. Carl Murphy nahm einmal per Vollspann Maß, scheiterte aber an Pascal Krämer „Zum Schluss war es ein Vabanquespiel: alles oder nichts“, sagte Petr Skarabela, der in den letzten Minuten sogar Torhüter Florian Warschecha nach vorne ließ. Auszahlen sollte sich das Risiko nicht mehr.

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Kleinrinderfeld: Pascal Krämer – Kevin Engert, Simon Sommer, Manuel Jäger, Julian Meyer – Benedikt Engert, Tim Schlachter – Silas Krebelder, Mario Christ (64. Marco Kramosch), Sandro Kramosch (81. Stephan Spingler) – Peter Endres (72. Joshua Heberlein).
TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz (46. Jonas Wirth) – Jürgen Endres, Nicolas Wirsching, Thilo Wilke, Steffen Barthel (57. Jona Riedel) – Peter Mrugalla (68. Michael Herrmann), Pascal Kamolz.
Schiedsrichter: Steffen Ehwald (Geldersheim); Assistenten: Stefan Orf (Bad Neustadt), Dominic Hofmann (Schwanfeld).
Zuschauer: 130.
Gelbe Karten: Mario Christ, Manuel Jäger, Julian Meyer, Silas Krebelder (Kleinrinderfeld); Jürgen Endres, Adrian Graf (Abtswind).
Tore: 1:0 Sandro Kramosch (10.), 2:0 Peter Endres (16.), 3:0 Silas Krebelder (20.), 3:1 Pascal Kamolz (61.), 3:2 Thilo Wilke (63.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Das Spiel wurde in der ersten Halbzeit verloren, nicht in der zweiten. So schnell haben wir noch nie so viele Tore bekommen. Die Mannschaft hat in diesen Situationen hinten ohne Absicherung gespielt. Nach der Pause haben wir gezeigt, was wir können. Das war zu spät. Die spielerische Überlegenheit bringt dir nichts, wenn du verlierst. Ein 0:3-Rückstand bedeutete für uns eine ungewohnte Situation. Das kannten wir bisher nur umgekehrt. Schaut man sich unsere gravierenden Fehler an, so war das unsere Niederlage und nicht der Sieg des Gegners. Kleinrinderfeld stand tief und hatte im zweiten Durchgang keine einzige Chance mehr. Aber bei drei Toren Vorsprung braucht man auch nicht mehr nach vorne zu spielen. Eigentlich hätten wir nach unseren Riesenchancen nach zehn Minuten 2:0 führen müssen. Am Ende wäre ein Punkt für die Moral wichtig gewesen.“

Hans-Jürgen Meyer (Trainer TSV Kleinrinderfeld): „Der Sieg gegen diesen Gegner ist für uns das Nonplusultra. Wir haben es mit Kampf und Willenskraft geschafft. In der zweiten Halbzeit mussten wir uns durchbeißen, was bei der hohen Temperatur nicht einfach war. Mit der 3:0-Führung haben wir das Spiel verwaltet. Doch dann standen wir vor einem Problem: Nach den zwei Gegentreffern wurde es richtig eng. Plötzlich waren wir nervös und hektisch und hatten wieder etwas zu verlieren. Für Abtswind wäre der Ausgleich hochverdient gewesen. Entscheidend war, dass wir aus den ersten vier Chancen gleich drei Tore gemacht haben. Schnelle Seitenwechsel und erfolgreiche Aktionen im Eins-gegen-eins haben uns geholfen. Gegen Abtswind reicht es nicht, den Ball nach vorne zu dreschen. Wir wissen um unsere Qualität, nur können wir die nicht jeden Spieltag über neunzig Minuten abrufen.“

Wahl zur Elf der Woche beim Fußballportal Fupa: Hier für Abtswind abstimmen

Abtswind läuft zu spät heiß

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken


Aber die Erfolgsserie soll weitergehen

Hier finden Sie ihren persönlichen Fahrplan zum Wochenende

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Am Sonntag hat der TSV-Fan die Qual der Wahl: Heimspiel der dritten Mannschaft gegen Gerolzhofen oder Auswärtsfahrt zum Landesligaspiel in Kleinrinderfeld. Wer sich nicht entscheiden kann, relaxt zusammen mit der Reserve am Pool.

Die Mini-Serie steht: 3 Siege in Folge für unsere Landesligakicker. Auch gegen den hoch gehandelten TSV Kleinrinderfeld soll der Erfolgsweg weiter verfolgt werden. Für Perfektionist und Trainer Petr Skarabela in Personalunion spielen neben den nackten Ergebnissen auch die sekundären Faktoren eine wichtige Rolle, gerade in der Offensivfraktion: „Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt.“ Und prophezeit für das schwere Auswärtsspiel beim Tabellen-8. eine heiße, attraktive Partie.

Während die Reserve ihr spielfreies Wochenende genießt, empfängt die dritte Mannschaft die Spielgemeinschaft aus Gerolzhofen und Michelau. Nach der krachenden Auswärtsniederlage in Castell vielleicht genau der richtige Kontrahent, um die 9 Gegentore vom letzten Wochenende abzustrampeln. Die Gäste stehen ohne Punkt und einem 4:7-Torverhältnis auf einem direkten Abstiegsplatz.

Neuerung rund um die Fankultur beim TSV: Das Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer aus Abtswind begleitet uns durch die gesamte Spielzeit 2016/17. Bei jedem Sieg einer unserer drei Herrenmannschaften spendieren Ingrid und Thomas Behringer 2 Liter aus Ihrem Qualitätsweinsortiment. Das deutliche 4:0 der ersten Mannschaft gegen den TuS Röllbach schraubt das neue Oechsle-Barometer vom Weingut Behringer auf sagenhafte 16 Liter besten Frankenweins. „Geh‘ mer zum Behringer“! Für Liebhaber des Frankenweins ist das die ganz einfache Verabredung zum Genuss. Eine Aktion „Vom Fan für den Fan“: Zum Saisonabschluss genießen wir Fans gemeinsam die Ausbeute. Also, liebe Aktiven, haut ordentlich rein.
Matthias Ley

Alle Spiele im Überblick:

Landesliga: TSV Kleinrinderfeld – TSV Abtswind
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportgelände Kleinrinderfeld, Deutschherrenstraße, 97271 Kleinrinderfeld
Abfahrt des Fanbusses am Wormser-Platz um 14:00 Uhr (Fahrpreis 7 Euro)
Schiedsrichter: Steffen Ehwald
Assistenten: Stefan Orf und Dominic Hofmann

Kreisliga: TSV Abtswind II
Spielfreies Wochenende

A-Klasse: SG Abtswind III / Feuerbach – SG FC Gerolzhofen II / DJK Michelau II
Sonntag, 28. August 2016, Anstoß 15:00 Uhr, Sportpark des 1.FC Feuerbach
Schiedsrichter: Ralf Mack

Nach 4 Aufsteigern folgt nun ein sportlicher Brocken

Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht


Der Systemwechsel nach 20 Minuten kam zu spät – 45 Minuten Anrennen ohne zählbaren Erfolg

TSV Abtswind II – SV Mühlhausen/Schraudenbach 2:3 (2:3)

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Nach 20 Minuten stellt Thorsten Götzelmann um und beordert Fabian Mauderer ins hoffnungslos unterbesetzte Mittelfeld. „Ich musste reagieren. Gegen eine Mannschaft wie Mühlhausen, die sauber übers Mittelfeld kombinieren, kommst du mit einem Flügel lastigen 3-5-2 nicht an“ meint Abtswinds Interimstrainer, der für den im Urlaub weilenden Velibor Teofilovic nicht nur an der Linie operierte.

Mit Akklimatisieren, Abtasten oder sonstigen Spielchen zum Eingewöhnen hält sich kaum einer auf. Nach einem verunglückten Abtswinder Rückpass geht Mühlhausens Stürmer David Schyroki steil, legt von der Grundlinie zurück. Christian Knaups Slapstick Torabschluss landet zielsicher beim frei stehenden Mannschaftskollegen. Aus 8 Metern Tordistanz schwartet Leopold Göbel die Kugel in den Winkel. Abtswind gleicht mit dem direkten Gegenzug aus. Feine Kombination über Kapitän Christoph Kniewasser auf Stürmer Andy Herrmann, der direkt in den Lauf seines Sturmpartners schiebt. Jona Riedel setzt das Ding unhaltbar zum 1:1 in die Maschen. Da waren gerade einmal 4 Minuten von der Uhr.

Moralisch unschlagbar“, bewertet Abtswinds Stürmer Andreas Herrmann die Zeit nach dem Ausgleich. „Besser geht es nicht mehr. Aber das kaschiert nur, wie schlecht wir in die Spitze gespielt haben. Ständig hoch und weit. Da musst du gegen solch ausgebuffte Verteidiger wie Mühlhausens Kapitän Sebastian Neubert und René Fischer bestehen. Die gewinnen jedes Kopfballduell.“ In der Summe landen die Diagonalbälle aus der Abtswinder Viererkette zielsicher in Mühlhausens Defensive. Aufbau übers Abtswinder Mittelfeld ist kaum möglich. Im Zusammenspiel mit Maximilian Heß kann Eric Köhler dieses Mal kaum eine defensive Köhler-Linie ziehen. Die zwei Abtswinder stehen ständig einer zahlenmäßigen Mühlhäuser Übermacht gegenüber. Bildlich gesprochen: Abtswind zieht das Spiel taktisch extrem auf die Flügel und lässt dabei die Mitte brach liegen. Genau in diese Räume kombiniert das Team von Gästetrainer Thomas Niesner: „Abtswind spielt offensiv Hara-Kiri. Da schaltet sich alles ein, bis auf den Torwart. Aus den uns bietenden Räumen hätten wir deshalb mehr machen müssen.“ Auch so führt Mühlhausen nach einem Doppelschlag Mitte der ersten Hälfte mit 3:1. Erst eine Einzelaktion von Fabian Mauderer kaschiert das Ergebnis halbwegs. In der 40. Minute zieht er gegen gleich 3 Gegenspieler in den Mühlhäuser Strafraum ein und wird unmittelbar vorm Torabschluss von den Socken geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelt Christoph Hofmann humorlos zum 2:3- Anschlusstreffer aus Abtswinder Sicht.

Abtswind kommt mit Dampf aus dem Kabinentrakt und schnürt die Gäste phasenweise in deren eigener Hälfte ein. Chancen beinahe im Minutentakt. „Wir hatten uns den Gegner so schön zurecht gelegt“, meint ein konsternierter Andreas Herrmann nach Abpfiff. „Da müssen wir einfach 3 Dinger nachlegen und gut ist.“ Und wie sooft, wenn eine Partie eine gewisse Betriebstemperatur erreicht, kommen die strittigen Szenen zwangsläufig. Beispiel gefällig? Ein Abtswinder Eckball zischt unberührt durch den Mühlhäuser Strafraum. Im Hintergrund, am langen Pfosten steht Verteidiger Steffen Rumpel, wird vollkommen überrascht und wischt die Pille mit dem rechten Arm aus der Gefahrenzone. Auf Nachfrage bewertet Schiedsrichter Bernhard Limmer die Situation als Hand angelegt. Kurz darauf dreht sich Abtswinds Stürmer Thorsten Götzelmann um seinen Gegenspieler herum, legt sich den Ball in den Lauf, und wird oben und unten zu Fall gebracht. „Das habe ich genau gesehen“, meint der Unparteiische später im Abtswinder Mannschaftsheim auf Nachfrage. „Beide Akteure haben geklammert. Nach der Drehung hebt der Abtswinder sofort ab. Nur aufgrund des beidseitigen Textilvergehens habe ich ihm keine Verwarnung wegen Schwalbe gezeigt.“ An der Abtswinder Fanbande hingegen legt man sich sofort fest. Klarer Elfmeter. Mühlhausens Trainer Thomas Niesner wurde dabei stark an das letzte Aufeinandertreffen beider Teams erinnert. Da setzte Thorsten Götzelmann denselben Bewegungsablauf in Gang und bekam den schuldigen Elfmeter. Dieses Mal bleibt die Pfeife stumm. Und einige gute Abtswinder Torgelegenheiten im Wechsel mit sich häufenden Mühlhäuser Kontern später beendet Bernhard Limmer eine rassige, spannende Kreisligapartie.

Nach Abpfiff gehen die Meinungen aber so was von diametral auseinander. Einziger Konsens aller Beteiligten, quasi der kleinste gemeinsame Nenner, lautet: Das war mal eine attraktive Veranstaltung – mit dem besseren Ende für die Gäste, die eine spontane, lustige Kabinenpartie starten. Polonaise, Trinksprüche, Hoch die Asbach-Tassen inklusive. Die Abtswinder Landesligareserve übt sich währenddessen in Galgenhumor, oder wie es Daniel Kaminski lapidar raus rotzt: „Alles wie immer!“

Matthias Ley

Das Spiel im Überblick:

TSV Abtswind II: Eduard-Alin Wellmann – Christoph Hofmann, Christoph Kniewasser, Michael Rügamer, Maximilian Heß – Eric Köhler – Fabian Mauderer, Manuel Pauly, Jona Riedel, Julian Beßler – Andreas Herrmann. Einwechselspieler: Daniel Kaminski, Thorsten Götzelmann, Patrick Hock, Markus Golombek, Markus Schamberger.

SV Mühlhausen/Schraudenbach: Simon Falz – Leopold Göbel, Steffen Rumpel, Moritz Rumpel, Sebastian Neubert – Nico Mayer, Michael Pfeuffer, René Fischer, Christian Knaup – David Schyroki, Kevin Rumpel. Einwechselspieler: Steven Rumpel, Bernd Rumpel, Johannes Weippert, Marcel Facius.

Schiedsrichter: Bernhard Limmer (Hirschaid)

Zuschauer: ca. 70

Gelbe Karten: Christoph Kniewasser (TSV Abtswind II) – Nico Mayer, Kevin Rumpel (SV Mühlhausen/Schraudenbach)

Tore: 0:1 Leopold Göbel (3.), 1:1 Jona Riedel (4.), 1:2 Sebastian Neubert (23.), 1:3 Michael Pfeuffer (27.), 2:3 Christoph Hofmann (40., Foulelfmeter).

Die Stimmen zum Spiel:

Thorsten Götzelmann (Interims-Trainer TSV Abtswind II): Mit gewissen Vorgaben zum Spielsystem haben wir schlecht begonnen. Nach 20 Minuten konnte ich nicht anders, als umzustellen. Mit dem Personal heute hat das einfach nicht gepasst. Mühlhausen ist eine fußballerische Mannschaft. Die bläst den Ball nicht longline nach vorn, sondern bauen sauber übers Mittelfeld auf. Da waren Eric Köhler und Maximilian Heß ständig unterbesetzt. Dieses vorgegebene 3-4-3 hat hint und vorn nicht hingehauen. Nachdem Fabian Mauderer zurück gegangen ist, hat das besser geklappt. Trotzdem haben wir drei dumme Gegentreffer kassiert, die so normal nie fallen dürfen. In der Pause habe ich das klar angesprochen und erklärt, wie ich mir das vorstelle. Dann haben wir deutlich mehr Druck auf den Ball bekommen und uns eine Vielzahl an Torchancen heraus gespielt. Schade, dass wir uns für den Aufwand in der zweiten Hälfte nicht belohnt haben. Selbst Kevin Rumpel, Mühlhausens Außenverteidiger lobt dich für eine granatenstarke zweite Halbzeit. Aber davon kannst du dir nichts kaufen.

Thomas Niesner (Trainer SV Mühlhausen/Schraudenbach): Gerade in der ersten Hälfte ist mein Plan voll aufgegangen. Wir standen hinten kompakt. Gerade wenn man weiß, dass Abtswind spielerisch das Beste darstellt, was die Kreisliga zu bieten hat, da musst du defensiv sicher stehen. Sie spielen bedingungslos offensiv, was die eigene Mannschaft unter Druck setzt, aber auch Räume schafft für Konter. Das geht nur über Laufbereitschaft, wenn sie meistens in Überzahl nach vorne spielen. Da schaltet sich so ziemlich alles ein, was Beine hat. Aber wir müssen aus unseren Konterchancen mehr Kapital schlagen. Meiner Meinung nach sollten wir mit einem 4:1 in die Pause gehen. Und dann geht bei Abtswind beim ein oder anderen wahrscheinlich der Kopf runter. Wenn nur zwei gegnerische Spieler nicht Vollgas geben, dann schaukeln wir die Partie locker runter. So wird es in der zweiten Halbzeit noch einmal richtig heiß. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Ob der Auswärtssieg verdient war? Aufgrund der ersten Hälfte ja, aber betrachtet man die zweiten 45 Minuten, dann war der Sieg glücklich. In der Frage möchte ich mich nicht festlegen.

Andreas Herrmann (Stürmer TSV Abtswind II): Gerade in der ersten Halbzeit haben wir defensiv komplett gepennt. Wir kriegen den ersten Gegentreffer aus einem verunglückten Rückpass. Das kann natürlich einmal passieren. Kommen aber prompt zurück. Von der Moral kann uns da nichts besseres passieren. Beim zweiten Gegentreffer steht die Mauer wahrscheinlich nicht richtig. Beim dritten Treffer irritiert Michael Rügamer seinen Torwart. Aber wir holen noch vor der Pause den Elfmeter zum 2:3-Anschlusstreffer raus. Dann waren wir dran. Es ist nicht so, dass wir in der ersten Hälfte keine Chancen hatten. Bei uns fehlte ein offensives Aufbauspiel. Ständig lange Bälle in die Spitze. Wir haben kaum von Station über Station die Bälle nach vorne getragen. Nach dem Seitenwechsel war das ein ganz anderes Spiel. Da haben wir viele Bälle in die Box bekommen, auch keine schlechten. In diesen Situationen waren wir den einen Schritt zu spät, um besser an den Ball zu kommen. Das Handspiel von Mühlhausens Verteidiger Steffen Rumpel wird vermutlich von 90 Prozent der Schiedsrichter gepfiffen. Heute halt nicht. Aber das ist keine Entschuldigung. Wir wollen aufsteigen, sind vermutlich die spielerisch beste Mannschaft in der Kreisliga. Da können wir uns nicht an solchen Kleinigkeiten aufhängen. In der zweiten Halbzeit legen wir uns den Gegner richtig zurecht, dann müssen wir in der Lage sein, zwei, drei Mal zu klatschen und dann geht die Partie 6:3 aus.

Eduard-Alin Wellmann (Torwart TSV Abtswind II): Der 1:3-Gegentreffer sah schon kurios aus. Die Flanke kommt hoch rein. Im Rückwärtslaufen stolpere ich fast über Michael Rügamer in meinem Rücken, bekomme trotzdem noch eine Hand an den Ball und der rollt so saublöd über die Fingerkuppen. Von unten bis oben eine schön doofe Situation. Warum wir wieder erst in der zweiten Halbzeit das Fussballen anfangen, das ist schon ein Mysterium. Trotzdem hätten wir mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Voller Einsatz an der Linie und in der zweiten Hälfte auch mittendrin: Thorsten Götzelmann

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Die zweite Mannschaft belohnt sich einfach nicht

Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter


Der Schlussmann spielt seit Wochen mit einer Verletzung und verschiebt die Operation auf die Winterpause

TSV Abtswind – TuS Röllbach 4:0 (2:0)

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Das nennt man wohl eine makellose Bilanz: Alle seine drei Spiele auf eigenem Terrain hat der TSV Abtswind diese Saison mehr als souverän gewonnen. Macht in Zahlen neun Punkte und zwölf Tore, ohne dass dabei ein Gegentreffer fiel. Ins Muster fügte sich die Partie gegen den TuS Röllbach gleichermaßen. Daheim ist es halt doch am schönsten.

Er sei ja nicht so ein Mann der großen Worte. Sagt Florian Warschecha und meint das fast schon entschuldigend. Die hochgestochenen Sätze braucht’s meist auch gar nicht, um ein Fußballspiel treffend zu beschreiben. Und außerdem: Warum so bescheiden, Herr Warschecha? Abtswinds Schlussmann kam nach dem Schlusspfiff dann doch ganz nett ins Plaudern und hatte manchen Lacher auf seiner Seite. Vorrangig interessierte natürlich sein Gesundheitszustand. Der 27-Jährige ist nämlich verletzt, angeschlagen, wie auch immer. Irgendwas ist kaputt in seiner Schulter. Warschecha stellt sich trotzdem in den Kasten. Seit Wochen. Wann und wie das Ganze passiert ist? Puh! Weiß er selbst nicht so genau. Vermutlich war’s ein ungelenkes Strecken im Pokalspiel gegen den TSV Aubstadt Anfang Juli. „Am nächsten Tag konnte ich meine Schulter kaum bewegen“, erzählte Warschecha.

Mehrere Doctores schauten sich ihn an. Häufiger als auf dem Trainingsplatz war er bei Ärzten anzutreffen, doch erst der letzte Mediziner traf die richtige Diagnose. Um eine Operation wird Warschecha nicht herumkommen. Unters Messer legt er sich aber einstweilen nicht, weil das mehrere Monate Pause nach sich ziehen wird. Also hat Warschecha zusammen mit Trainer Petr Skarabela entschieden, den Eingriff in die Winterpause Anfang Dezember zu verschieben. Bis dahin beißt der pfundige Torwart die Zähne zusammen. „Manch anderer würde wohl nicht spielen“, glaubt Warschecha. „Ich bin nicht aus Zucker.“ Ganz ohne Vorsorge geht’s freilich nicht. Vor jedem Training, vor jedem Spiel versucht Masseur Johann Schäfer die Verletzung in den Griff zu bekommen – mit Salben und anderen Mittelchen, um die Schmerzen einzudämmen, was auch nicht immer angenehm ist. „Ich dachte heute einen Moment, mir verbrennt die Schulter“, sagte der Ballfänger nach dem Röllbach-Spiel. So sehr ging eine Wärmepaste unter die Haut.

Die Scherereien lohnen sich gerade für Florian Warschecha. Auch wenn’s ihn manchmal zwickt, entscheidend beeinträchtigt scheint er nicht. Jedenfalls gab’s große Anerkennung für eine immens wichtige Einlage. Nicht nur der eigene Coach Petr Skarabela lobte: „Mit so einem Torwart geht es mir noch besser.“ Selbst Röllbachs Trainer Albano Carneiro war beeindruckt: „Glückwunsch zur Parade!“ Knapp eine Stunde war vorüber, als Warschecha in den Flugmodus musste. Marius Diwersi hatte freistehend aus kurzer Entfernung abgezogen, doch Abtswinds Schlussmann lenkte den Ball dank starker Reflexmotorik übers Gestänge. 2:0 stand es da für sein Team. Mit dem Anschlusstreffer der Gäste wäre es womöglich noch mal eine heiße Kiste geworden. So aber machte Abtswind wenig später den Deckel drauf. Nicolas Wirsching schaufelte den Ball nach einem abgewehrten Freistoß im Rückwärtsfallen ins obere Eck. 3:0 hieß es damit (67. Minute).

Viel öfter war Florian Warschecha gar nicht gefordert, der trotz der niedrigen Beschäftigung im richtigen Moment aufmerksam war. Zu sicher stand die Abwehr vor ihm, als dass noch mehr Bälle durchrutschten. Es war ein Spiel ganz nach dem Geschmack von Trainer Skarabela. „Ich bin momentan richtig stolz die Mannschaft“, sagte der 48-Jährige. Abtswind befindet sich schließlich in einer Wohlfühlzone. Mit drei Siegen am Stück hat die Mannschaft eine kleine Serie gestartet. Die Ergebnisse sind ausufernd. Besonders daheim stimmen Ergebnis und Erlebnis. In der Tabelle gab es zur Belohnung einen kräftigen Sprung nach vorne. Besonders der Rückstand auf den wohl schärfsten Konkurrenten Jahn Forchheim hält sich bei drei Zählern in Grenzen.

Dass es mal wieder ein souveräner Sieg wurde, machte sich schon früh bemerkbar. Bis zur ersten Chance dauerte es keine zwei Minuten. Pascal Kamolz verpasste und stand kurz darauf schon wieder dort, wo ein Stürmer eben sein muss. Nur mit dem Zielen brauchte er noch ein bisschen. Das lief bei Thilo Wilke besser. Carl Murphys steiles Zuspiel kam da gerade recht. Wilke eilte davon und traf zum 1:0 (13.). Das Adrenalin aus dem Spiel nahm Kamolz noch vor der Pause. Sein dritter Anlauf, ein Tor zu erzielen, glückte. Nach der Flanke von Przemyslaw Szuszkiewicz brachte ein Kopfball das beruhigende 2:0 (41.). „Zwei einfache Fehler waren das von uns“, stellte Röllbachs Trainer Albano Carneiro fest. Einmal war seine Truppe richtig nah dran am Ausgleich, als Fabian Wolf das Tor knapp mit dem Kopf verfehlte (30.). „Wir müssen lernen“, sagte Carneiro, „und wir müssen Ruhe bewahren.“

Fünfmal hintereinander hat der Aufsteiger nun schon verloren, erst einen Sieg geholt. Solche Verhältnisse kannte man die letzten Jahre nicht. Zur Meisterschaft in der Bezirksliga ging’s tatsächlich ohne Niederlage. In Abtswind spielte Röllbach munter mit. „Wir versuchen es nicht nur übers Laufen und Kämpfen“, erklärte Carneiro. „Ich habe viele Spieler, die toll kombinieren können.“ Nur geht’s bei den Gegnern in der Landesliga eben schneller zu. Hoch anzurechnen war den Röllbachern, dass sie sich selbst nach dem dritten Gegentreffer nicht hängen ließen. Den direkt verwandelten Freistoß von Carl Murphy zum 4:0-Endstand verhindern konnten sie dennoch nicht (86.).

Michael Kämmerer

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind: Florian Warschecha – Carl Murphy, Daniel Hämmerlein, Adrian Graf, Przemyslaw Szuszkiewicz –Nicolas Wirsching, Jürgen Endres (86. Patrick Gnebner), Steffen Barthel, Thilo Wilke –Pascal Kamolz (70. Jona Riedel), Peter Mrugalla (83. Frank Hartlehnert).
TuS Röllbach: Erich Giesbrecht – Nico Heckmann (65. André Pascual), Marius Diwersi, Nicolai Kuhn, Björn Erhart (66. Daniel Koch)– René Hagendorf, Florian Grimm, Fabian Wolf, Till Link – Alexander Grimm (89. Merter Förtig), Mario Ackermann.
Schiedsrichter: Peter Frank (Uttenreuth); Assistenten: Martin Pehle (Großdechsendorf), Florian Leschka (Röttenbach).
Zuschauer: 170.
Gelbe Karten: Thilo Wilke (Abtswind); René Hagendorf, Björn Erhart, Marius Diwersi (Röllbach).
Tore: 1:0 Thilo Wilke (13.), 2:0 Pascal Kamolz (41.), 3:0 Nicolas Wirsching (67.), 4:0 Carl Murphy (86.).

Stimmen zum Spiel

Petr Skarabela (Trainer TSV Abtswind): „Wichtig ist mir, dass wir in den drei Heimspielen neun Punkte geholt, zwölf Tore geschossen und keines kassiert haben. Mittlerweile befinden wir uns auf einer Welle des Erfolgs. Jeder Spieler ist begeistert, wenn er von Beginn an aufläuft. Die Art und Weise, wie wir auftreten, begeistert auch mich. Torhüter Florian Warschecha war im richtigen Moment präsent. Wenn nach einer Stunde das 1:2 fällt, wäre das Spiel vielleicht schwieriger geworden. Wir hatten die Spielanteile, haben nicht viel zugelassen. Es freut mich, dass wir momentan so viele Tore schießen. So kommen auch die Zuschauer auf ihre Kosten. Das wird auch mal wieder anders sein. Hauptsache ist, dass die Mannschaft erfolgshungrig bleibt, dass jeder einzelne auf seinen Einsatz brennt. Wenn die Mannschaft so wie heute umsetzt, was ich vorgebe, ist das der Idealfall.“

Albano Carneiro (Trainer TuS Röllbach): „Das war unsere fünfte Niederlage in Serie. Das sind wir nicht gewohnt nach einer sehr guten Bezirksliga-Saison, in der wir kein einziges Mal verloren hatten. Wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen, denn wir haben die Qualität, um in der Klasse zu bleiben. Gegen jeden Gegner haben wir mitspielt und die Punkte zu einfach liegen lassen. Wir müssen uns so schnell wie möglich an die Landesliga gewöhnen. Mit viel Laufarbeit und Kampf wollten wir heute ins Spiel kommen. Zwei einfache Fehler haben vor der Pause zu den Abtswinder Toren geführt. In der zweiten Halbzeit haben wir gut verteidigt und auch nach vorne einige Akzente gezeigt. Und dann holt der Abtswinder Torhüter den Ball mit einem hervorragenden Reflex heraus. Der Anschlusstreffer hätte noch einmal etwas bewegen können.“

Florian Warschecha (Torhüter TSV Abtswind): „Heute gibt es nicht viel zu meckern. Bis auf Kleinigkeiten haben wir unsere Sache wieder gut gemacht. Ich selbst habe nur einen Ball aufs Tor bekommen, und den habe ich gehalten. Dafür bin ich schließlich da. Auch wenn man als Keeper nicht viel zu tun hat, ist man immer mittendrin, um die Konzentration zu bewahren. Wir sind hinten kompakt, egal welcher Verteidiger vor mir steht. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. Vor jedem Spiel versuchen wir mit Masseur Johann Schäfer meine Schulterverletzung in den Griff zu bekommen. Im Spiel bin ich dann nicht entscheidend beeinträchtigt, spüre nur hin und wieder einen Schmerz. Ich bin nicht aus Zucker. Bis zur Winterpause ziehe ich es auf diese Weise durch. Im Dezember lasse ich mich operieren.“

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Florian Warschecha fliegt mit kaputter Schulter

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